Heinz Rudolf Kunze – Kunst, voll gescheitert

Papenburg. Heinz Rudolf Kunze war in der Papenburger Stadthalle im Forum Alte Werft. Vor ca. 400 Zuschauern war er mit seiner Tour „Einstimmig“ unterwegs. Bei dieser Tour wollte Kunze die besten Lieder seiner Karriere spielen. Doch gelang ihm das?

Pünktlich gegen halb acht kam er auf die Bühne und begann schon am Anfang, kurze Anekdoten zu erzählen. Sein Name, den er lieber gehabt hätte, wäre „John“ gewesen. So wie „John Bond“, John Astaire“ oder auch „John Trump“. Denn alle berühmten Menschen würden „John“ mit Vornamen heißen.

Was daraufhin folgte waren seine Lieder. Immer wieder unterbrochen, wirklich nach jedem Lied, von Anekdoten, Geschichten, die gereimt wirken sollten oder Gedichten mit einfachem Versmaß.

Das Lied „Balkonfrühstück“ als „Hommage“ an ein Industriegebiet in Nürnberg, in der der, so Kunze, der „Fränkische Ministerpräsident“ wohnt, war wohl eins der bekanntesten Lieder. Daraufhin folgen immer wieder Gedichte, Anekdoten und Kurzerzählungen von drei bis fünf Minuten, die wohl die Wartezeit zwischen den Songs erträglicher machen sollten.

Heinz Rudolf Kunze - Kunst, voll gescheitert Foto: NordNews
Heinz Rudolf Kunze – Kunst, voll gescheitert Foto: NordNews

Doch dann war es soweit. Nach zweieinhalb Stunden des Wartens spielte er dann gekonnt am Klavier seinen Song „Dein ist mein ganzes Herz“. Es folgte dann noch die Zugabe „Blowin in the wind“ und als letztes Stück „Finden Sie Mabel“, mit dem er den Abend beendete.

Das Publikum ließ es sich natürlich nicht nehmen, ihm zum 61. Geburtstag ein Geburtstagslied zu singen, welches er sichtlich gerührt genoss.

Heinz Rudolf Kunze – Kunst, voll gescheitert oder kunstvoll gescheitert?

Es spricht glaube ich für sich, wenn selbst der „Singer – Songwriter“, wie sich Kunze selber nennt, erkennen muss, dass ab ca. 21.00 Uhr die ersten Zuschauer kopfschüttelnd die Veranstaltung verlassen.

Er schafft es nicht, dass Publikum so zu begeistern, dass es regelmäßig mitsingen oder auch wirklich interessiert zuhören kann. Schaut man während der Veranstaltung aufmerksam durch die Reihen, so stellt man immer wieder zufallende Augen oder auch kopfschüttelnde Zuhörer fest.

Heinz Rudolf Kunze erzählt über „Probesärge“, die zum herausfinden von intakten Beziehungen dienen, gibt kleine Gedichte über verschiedene Arten des Suizides „zum Besten“ und leitet des Publikum durch anscheinend völlige unnütze Aneinanderreihung von Städten in die Langeweile. „Europa, Deutschland in Afrika, Portugal, Amerika, Lissabon, Madrid. Hong Kong, Sibirien, Deutsches Reich und wieder Europa in Afrika“ (Anm. d. Red.: kein Zitat, aus dem Gedächtnis protokolliert).

Er sagt, er würde keine seiner Lieder kommentieren. Jedoch bei dem Lied „Mörder“ stellt er erklärend dar, dass er es gegen Beate Zschäpe und damit gegen die NSU geschrieben hat. Ihm ist es völlig unverständlich, wie jemand dieses Lied mit Herrn Gauweiler und der Afd in Verbindung bringen könnte.

Er referiert über die Faußballrechte im Fernsehen und deutet an, dass es Fußball wohl in Zukunft nur noch im Bezahlfernsehen geben würde und das er eine „AfDFB“ empfehlen würde.

Das Publikum, so wie man viele Meinungen am Ende der Veranstaltung hören konnte, war mehr als enttäuscht. „Zu einer Solo Tour mit den Hits gehören auch seine Hits und nicht nur wirres Zeug, was jemand auf der Bühne redet“, hört man es immer wieder im Foyer. Und die Besucher haben recht. „Aller Herren Länder“, „Finden Sie Mabel“ und „Dein ist mein ganzes Herz“ waren die Lieder, die man mitsingen konnte und die das Publikum auch unterhielten. Doch wo waren „Lola“ oder Alles was sie will“ oder „Längere Tage“? Man könnte diese Liste nun weiter führen mit seinen Hits, aber wir glauben jeder hat mittlerweile gemerkt, dass man sich hier nicht auf einer Solo Tour mit dem Namen „Einstimmig“ befunden hat, sondern eher auf einer versuchten modernen Kunstveranstaltung.

Doch stop – nicht alles war negativ. Auch wenn wir dauernd darauf gewartet haben, dass Hape Kerkeling mit „Hurz“ auftritt oder uns die „Versteckte Kamera“ überrascht, muss man sagen, sowohl singen, als auch Klavier- und Gitarre spielen kann Heinz Rudolf Kunze. Seine Stimme ist so, wie man sie in Erinnerung hatte und damit auch unverwechselbar.

Alles in allem müssen wir sagen, wir und auch die Mehrheit des Publikums, die wir im Nachgang befragt haben, hätten gerne mehr bekannte Lieder gehabt und wesentlich weniger, teils wirr erscheinende Gedichte und Vorträge. Eine Frage bleibt daher am Schluss unbeantwortet: Heinz Rudolf Kunze – Kunst, voll gescheitert oder kunstvoll gescheitert.

Text: Marco Schlösser