#krachfürkilian – 15.000 Motorradfahrer erfüllten Kilians letzten Wunsch

(#krachfürkilian – vergrößerte Darstellungen siehe Bildershow am Ende des Artikels)

Rhauderfehn. #krachfürkilianBiker aus ganz Deutschland ließen es sich nicht nehmen, den größten und letzten Wunsch des an unheilbar krebserkrankten 6jährigen Kilian zu erfüllen.

Wenn man seinem eigenen Kind hilflos beim Sterben zusehen muss, ist das das schrecklichste, was Eltern und einer Familie jemals in ihrem Leben erleben und ertragen müssen. Ihm dann in dieser Zeit einen seiner größten Wünsche zu erfüllen, ist nicht immer möglich. Es sei denn, man hat Freunde an seiner Seite, die einen nicht alleine lassen und helfen, wo und wie sie können. So geschehen am heutigen Samstag in Rhauderfehn.

Nachdem bei dem erst 6jährigen Kilian Sass aus Rhauderfehn eine Krebserkrankung diagnostiziert worden und mittlerweile in ein unheilbares Stadium fortgeschritten ist, hatte Kilian noch einen großen Wunsch:

Als begeisterter Moto-Cross-Pilot wollte er es noch einmal richtig laut um sich herum krachen lassen, indem möglichst viele Motorradfahrer mit laut aufheulenden Motoren bei ihm zu Hause vorbeifahren.

Kilian diesen Wunsch zu erfüllen, setzten die Motorradfreunde der Familie alle Hebel in Bewegung und riefen in den sozialen Medien öffentlich zu einer Sternfahrt auf. Die Hoffnung dabei auf eine etwas größere Beteiligung war zwar schon groß, mit einem dermaßen großen Ausmaß hätte jedoch niemand von ihnen geglaubt.



Binnen weniger Tage wurde der Post über 30.000 Mal geteilt und tausende von Motorradfahrern sagten zu, am heutigen Samstag in Rhauderfehn für Kilian da zu sein. Das nun aber auch vom verkehrstechnischen Ablauf alles bewältigen zu können, war für die Organisatoren eine Herausforderung, mit der sie Dank der wirklich sehr guten Unterstützung der Polizei nicht alleine dastehen mussten.

Während dann am Samstag bereits ab 10 Uhr die ersten Motorradfahrer auf dem Marktplatz in Rhauderfehn angefahren kamen, waren es nach Schätzungen der Polizei etwa 15.000 Motorradfahrer*innen, die an der Aktion #krachfürkilian teilnahmen.

Aber es waren nicht nur diese unglaublich vielen Motorradfahrer, die aus ganz Deutschland, den Niederlanden und sogar aus der Schweiz und Dänemark zusammen kamen. An den Straßen vom Marktplatz bis nach Langholt standen über viele Kilometer tausende von Menschen, die den Motorradfahrern applaudierten und Banner mit Sprüchen, wie „Ihr seid die Besten“ und „Danke, dass ihr da seid“ in den Händen hielten. „So viele Menschen an den Straßen von Rhauderfehn hat es noch nie gegeben!“, so der Organisator Markus zu den Motorradfahrern, kurz bevor er um 12:30 Uhr das Zeichen gab, die Motoren zu starten.

Danke der Organisatoren für die so große Teilnahme der Motorradfahrer

Nahezu in Schrittgeschwindigkeit fuhren die Motorradfahrer zwischen den an den Straßen dicht an dicht stehenden Menschen Richtung Langholter Straße, wo sie vor dem mit bunten Luftballons und einem großen Banner geschmückten Haus kurz anhielten, den Motor getreu dem Wunsch von Kilian einmal kurz richtig laut aufheulen ließen und dann direkt weiterfuhren. Knapp drei Stunden hat es gedauert, bis das letzte Motorradfahrer auf seinem Bike diesem kleinen tapferen jungen Mann in dieser Art ihre Ehre erweisen konnten.


Eine Aktion, die Ihresgleichen sucht


Ich selber bin mit meinem Motorrad auch dort gewesen und die Strecke mitgefahren und kann sagen, dass ich in meinem Leben noch nie so etwas ergreifendes miterlebt habe. Es waren nicht nur die so vielen Motorradfahrer, ob in Gruppen als Motorradclubs oder auch vereinzelt, die es sich nicht nehmen ließen, Kilian diesem Wunsch zu erfüllen. Es waren auch die vielen begeisterten Menschen an den Straßen, die den Motorradfahrern durch ihren Applaus zeigten, wie sehr sie diese Aktion schätzen und begeistert.

Letztendlich bleibt zu hoffen, dass Kilian trotz seiner schweren Erkrankung diesen Tag ausreichend gut genießen konnte und er, sowie auch seine Eltern, Geschwister und seine Familie für einige Momente alles andere für diese paar Stunden haben vergessen können.

In diesem Sinne wünschen auch wir, das Team von Nordnews.de, Kilian und seiner Familie ganz viel Kraft und bewundern die Kraft, die Kilian trotz seines Schicksals durch seinen Wunsch und durch diese Aktion noch an alle beteiligten Motorradfahrer weitergegeben hat.

Nachtrag Bericht der Polizei und Resümee der Biker-Aktion „Krach für Kilian“

Die Sternfahrt dauerte rund 4 Stunden. Laut Frau Bruhns von der Polizei Leer/Emden haben schätzungsweise zwischen 15.000 ums 20.000 Biker*innen an der Sternfahrt teilgenommen und Krach für Kilian gemacht. Teilweise sei es in und um Rhauderfehn zu erheblichen Verkehrsbehinderungen gekommen. Einen kleinen Unfall hat es gegeben, als vier Motorradfahrer zusammen geprallt waren. Einer davon wurde mit Verletzung am Handgelenk in ein Krankenhaus gebracht. Das Mobilfunknetz war stundenlang komplett überlastet, weil zahlreiche Zuschauer mit ihren Smartphones Videos Aufnahmen und im Internet verbreiten. Nichts desto trotz zieht die Polizei ein positives Fazit.

„Insgesamt ist die Sternfahrt sehr, sehr gut abgelaufen. Die Bevölkerung hat sich sehr dankbar für unsere Unterstützung gezeigt. Die sichtlich gerührten Zuschauer mit ihrem Applaus, wie auch die zahlreichen Biker*innen haben für ein tolles Erlebnis gesorgt. Auch wir bedanken uns für die Unterstützung, Disziplin und Rücksichtnahme aller Beteiligten.“

Pressesprecherin Fr. Bruhns von der Polizei Leer/Emden

So hat Kilian diesen Tag erlebt

Die längste Zeit schaute er (Kilian) aus dem Fenster seines Elternhauses an der Langholter Straße aufmerksam zu. Zwischenzeitlich wurde er jedoch auch im Rollstuhl nach draußen geschoben und durfte die Biker aus nächster Nähe beobachten. „Ich habe Kilian hinterher getroffen. Er bekommt das Lächeln nicht mehr aus dem Gesicht“, sagt Ralf Pietsch, Organisator der Aktion und Freund der Familie.

„In seiner kleinen Welt feiert er die Aktion total ab. Das war das Größte für ihn!“

Text und Fotos: Annette Roling, Papenburg