„Abgefahren“ – Berichte über tödliche Unfälle


Papenburg. Es herrscht Stille. Entsetzen. Betroffenheit. Auf einer Bühne steht ein Autowrack. Noch ist die Geschichte dahinter unbekannt. Die Gespräche unter den Schülern sind verstummt, die Stimmung ist angespannt. Keiner weiß, was genau ihn erwartet. Die Lichter sind gedimmt, auf der Bühne stehen drei Kreuze – „Du fehlst“.

Ein Autowrack steht auf der Bühne, daneben drei Kreuze. Am Dienstagvormittag haben rund 700 Schülerinnen und Schüler den Schilderungen der Rettungskräfte von tödlichen Unfällen zugehört. Foto: Stadt Papenburg
Ein Autowrack steht auf der Bühne, daneben drei Kreuze. Am Dienstagvormittag haben rund 700 Schülerinnen und Schüler den Schilderungen der Rettungskräfte von tödlichen Unfällen zugehört. Foto: Stadt Papenburg

Die Trauer ist in den Augen von den rund 700 Schülern deutlich zu lesen, als Polizisten, Notfallseelsorger, Feuerwehrleute und Sanitäter von sechs Verkehrsunfällen berichten, die insgesamt zehn Menschenleben aus ihrer Altersklasse gefordert haben. Am Dienstagvormittag waren Schüler des staatlichen Gymnasiums Papenburg, der Berufsbildenden Schulen Papenburg und des Hümmling-Gymnasiums in Sögel zu Gast im Forum Alte Werft beim Projekt „Abgefahren –wie krass ist das denn“.

„Schaut bitte einmal nach links, nach rechts, nach vorne und hinter euch. Von den vier Personen, die ihr nun gesehen habt, wird der Statistik nach eine einen schweren Verkehrsunfall verursachen, eine weitere Person wird an einem Unfall beteiligt sein und eine dritte wird bei einem folgeschweren Unfall tödlich verunglücken“, mit diesen Worten hat Robert Raaz, Leiter des Polizeikommissariats in Papenburg, die volle Aufmerksamkeit der noch minderjährigen Schüler. „Ihr alle steht kurz vor einem wichtigen Meilenstein in eurem Leben – der Volljährigkeit. Damit verbunden ist natürlich auch der Führerschein. Durch dieses Projekt wollen wir euch keineswegs schockieren, wir wollen euch nur vor Augen führen, dass das Führen eines Kraftfahrzeuges sehr gefährlich sein kann“, so Raaz weiter. Er zeigt auf das Autowrack auf der Bühne: „In diesem Auto ist ein junger Familienvater tödlich verunglückt. Er hat nicht mehr die Möglichkeit, seine Kinder aufwachsen zu sehen.“

Das Verkehrspräventionsprojekt soll dazu dienen, den fast volljährigen Schülern zu zeigen, wie schnell ein Menschenleben vorbei sein kann. Ein unachtsamer Moment, der kurze Blick auf das Smartphone während der Fahrt, die Selbstüberschätzung oder die überhöhte Geschwindigkeit bei schlechten Straßenverhältnissen – all das sind mögliche Ursachen für Verkehrsunfälle. Im Emsland und der Grafschaft-Bentheim verursachen statistisch gesehen die jungen Fahranfänger im Alter von 18 bis 24 Jahren die häufigsten Verkehrsunfälle mit Todesfolge.

Die Rettungskräfte berichten nacheinander von sechs Verkehrsunfällen, bei denen sie als Ersthelfer, als Feuerwehrmann oder als Notfallseelsorger vor Ort waren. Bei den Erzählungen geht es nicht darum, einen Schuldigen für den Unfall zu finden – es geht vielmehr um Gefühle und um die Angst, einen Verunfallten nur noch tot zu bergen. Die Einsatzberichte sind dabei sehr detailliert und berühren die Schüler zutiefst. Im Anschluss an jeden Unfallbericht wird für die Verstorbenen eine Kerze entzündet. Am Ende brennen auf der Bühne zehn Kerzen, für zehn junge, deren Leben viel zu früh durch einen tragischen Unfall beendet wurde.

Bevor die Veranstaltung mit dem Lied „Geboren um zu leben“, gesungen von Ramona Bahls, endet, wird auf der Bühne ein Ballon gezeigt. An diesen Ballon haben die Schüler im Vorfeld ihre Lebensträume geklebt: Ein Schulabschluss, eine Freundin, eine Auslandsreise, ein guter Job und vieles mehr. Plötzlich platzt der Ballon mit einem lauten Knall. Ein Knall, der in Erinnerung bleibt. Ein Knall, der alle Lebensträume abrupt beendet. Ein Knall, wie er auch zu hören ist, wenn ein Auto gegen einen Baum prallt.

Text und Foto: Stadt Papenburg