„Aus dem Nichts“ bringt innerdeutschen Konflikt auf die Bühne – Meisterhaft inszenierter Rache-Thriller zeigt die NSU-Morde aus Sicht der Hinterbliebenen

Nordhorn. Ausnahme-Regisseur Fatih Akin hat in seinem preisgekrönten Politthriller „Aus dem Nichts“ die Geschehnisse rund um die rechtsextremistischen NSU-Morde bearbeitet. Das „Euro-Studio Landgraf“ bringt den packenden Stoff am 20. November 2019 um 20 Uhr als mitreißende Bühnenfassung in den Nordhorner Konzert- und Theatersaal.

Eine glückliche Familie. Haus am Stadtrand. Laden in der Innenstadt. Doch als eine Nagelbombe vor dem Steuerbüro von Nuri Sekerci, Katjas deutsch-kurdischem Ehemann, explodiert, wird diese Idylle jäh zerstört: Er und ihr gemeinsamer Sohn Rocco sterben in den Flammen. Schnell vermutet Katja einen rechtsradikalen Hintergrund der Tat. Nach einiger Zeit geht bei der Polizei ein entscheidender Hinweis auf die Täter ein. Ein Neonazipaar steht im Verdacht. Doch der Eindeutigkeit der Indizien steht eine perfide Verteidigungsstrategie gegenüber. Und eine Justiz, welche die Richtung, aus der der Terror kommt, nicht orten mag. Als das Paar freigesprochen wird, kennt Katja nur noch ein Gefühl: Rache.

Es gab in der Geschichte der Bundesrepublik nur vier Prozesse, die international für Aufsehen sorgten und als Meilensteine für die Auseinandersetzung mit der innerdeutschen Chronik gelten: die Nürnberger Prozesse ab 1945, die Auschwitz-Prozesse ab 1963, die Stammheim-Prozesse ab 1975 und der Münchner NSU-Prozess ab 2013. Im Jahr 2017 brachte der international renommierte Hamburger Filmemacher Fatih Akin seinen fiktiven Film auf Grundlage der real passierten rechtsextremistischen NSU-Morde heraus und nahm dabei die selten in den deutschen Medien wahrgenommene Sicht der Opfer und Hinterbliebenen ein. Jetzt kommt der brandaktuelle Stoff über den Umgang des deutschen Rechtsstaats mit Opfern und Tätern nationalsozialistischer Verbrechen als Bühnenstück mit dem „Euro-Studio Landgraf“ ins Theater.

Einen Politthriller von der Leinwand auf die Bühne zu bringen, ist nicht einfach. Viele erzählerische Mittel, die Spannung erzeugen, bietet nur der Film, nicht aber die Bühne. Regisseur Miraz Bezar zeigte mit seiner Adaption von Akins „Aus dem Nichts“, wie es perfekt funktionieren kann. Das liegt nicht zuletzt an seinem erstklassigen Ensemble, unter anderem mit Anna Schäfer und Matthias Kopetzki. Sein Bühnenthriller zieht den Zuschauer in einen seelischen und moralischen Konflikt von schier antiker Wucht hinein. Das macht das Thema zu einem eindringlichen, berührenden Drama, das trotz fiktiver Story nah dran ist an der Realität.

In vielen Videoeinspielungen werden nachrichtliche Berichte über rechtsextremen Terror und Statements von Politikern gezeigt. Auch, wenn das Publikum diese Fakten bereits kennt, ist „Aus dem Nichts“ spannend bis zum Schluss: Ein hervorragend erzähltes, mutiges Drama, das durch seine minutiöse Dramaturgie überzeugt. Sehr nuanciert arbeitet Bezar das auf, was nach einer solchen Katastrophe vermutlich geschieht: Schock, Wut, Hass, Trauer, Verzweiflung.

Eintritt:

ab 17,00 Euro (Abendkassen-Zuschlag 2 Euro)

Preisnachlass bei Vorlage der GN-Service-Card

Karten-Vorverkauf in Nordhorn:

online unter www.gn-online.de (Lesershop – Ticketshop) sowie im GN-Verlagshaus, Coesfelder Hof 2

VVV Nordhorn mit Info-Tel. (05921) 8 03 90

Georgies CD und LP Laden mit Info-Tel. (05921) 29 30
sowie bei allen weiteren ProTicket-Vorverkaufsstellen in Nordhorn und bundesweit

Karten-Vorverkauf per Telefon und Internet:

ProTicket Hotline (0231) 9172290

und unter www.proticket.de

Veranstalter:

Kulturreferat der Stadt Nordhorn, Telefon (05921) 878 111

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Text: Stadt Nordhorn