AktuellesCloppenburg

„Die alte Lady strahlt immer noch“ – Die Rote Schule feierte 100. Geburtstag

Bunter Jubiläumstag und rockiger „Century Bash“-Abend

„Die alte Lady strahlt immer noch“, eröffnete Bürgermeister Neidhard Varnhorn die Jubiläumsfeier der „Roten Schule“ und genau so erlebten viele Besucherinnen und Besucher das Haus an diesem sonnigen Tag. Das Gebäude feierte seinen 100. Geburtstag: Nachmittags mit einem abwechslungsreichen „Tag der offenen Tür“, abends mit einem Open-Air-Konzert.
Die Rote Schule ist von außen seit den frühen Volksschultagen bis auf die rotlackierte Haustür und das Schild oben drüber fast unverändert geblieben. Im Inneren hat sich über die Jahrzehnte aber viel getan. Drinnen „hat die Stadtjugendpflege Großartiges geleistet“, betonte Varnhorn und meinte nicht nur den Aufbau eines modernen Kinder- und Jugendzentrums mit einer großen Vielfalt an Angeboten, sondern ganz konkret auch die Vorbereitungen für den Jubiläumstag. Das Team der Roten Schule hatte sich unheimlich viel einfallen lassen – für das Bühnenprogramm mit Zauberer, Comedy und Kinderrockmusik ebenso wie für zahlreiche Spiel- und Mitmachangebote, Ausstellungen und Dekorationen. Viele kleine Details sorgten dafür, dass sich die Besucherinnen und Besucher überall willkommen fühlten. Zahlreiche Ehrenamtliche und Honorarkräfte des Kinder- und Jugendzentrums halfen tatkräftig mit – dafür gilt allen ein dickes Dankeschön. Ebenso auch den Partnern der Stadtjugendpflege, die aktiv dabei waren: Das war u.a. der Wassersportverein, der die Gäste mit Bratwurst, Pommes und Pilzen versorgte und Spiele mitgebracht hatte, die Kolpingfamilie mit ihrem Entenspiel und die Johanniter, bei denen man einen Rettungswagen besichtigen konnte – um nur einige Beispiele zu nennen. Dazu kamen Infostände, Hüpfburgen, Basketball-Spiel und vieles mehr.
Auch im Haus selbst war viel los. Der Kostümfundus war geöffnet, dort konnten sich Besucherinnen und Besucher nach Herzenslust ausstatten und sich in der Fotobox ablichten lassen. Es gab ein Café mit Schunkelmusik, eine Ausstellung zur Geschichte des Hauses, der Bastelraum lud zum Mitmachen ein. In den Gängen und im Treppenhaus hingen Erinnerungsfotos und Collagen, vor denen viele stehen blieben: „Guck mal, weißt du noch…“
Zum Jubiläum durften die Gäste auch einmal dorthin schauen, wo sonst abgeschlossen ist: auf den Dachboden, wo viele spannende Requisiten lagern – zum Beispiel Skelett „Paul“ und die Halloween-Riesenspinne. Dort fand sich auch das kleine „Kabuff“ von Hausgeist „Lisa“, die hier gern ein bisschen herumspukt.
In seiner Eröffnungsrede erinnerte der Bürgermeister an die bewegte Geschichte des Hauses: vom Bau als Volksschule und den Kinder in den 20er- und 30er-Jahren, die hier das Lesen und Schreiben gelernt hatten, über die schwierigen Jahre des Krieges mit improvisiertem Unterricht bis hin zu den 50er- und 60er-Jahren, als Cloppenburg wuchs, neue Schulen entstanden und die Rote Schule ihre Rolle als „normale“ Schule nach und nach abgab. In den 80er- und 90er-Jahren stand sie zeitweise leer oder wurde nur als Außenstelle genutzt.
Damals hatte die Jugend eine andere Idee und forderte einen eigenen Treffpunkt – hier, mitten in der Stadt, ohne Konsumzwang, offen für alle. Es wurde diskutiert, demonstriert und gestritten – mit Nachdruck, aber friedlich, auch bei einer Hausbesetzung Anfang der 1980er Jahre. Die Botschaft war klar: Cloppenburg brauchte einen Platz, an dem junge Menschen willkommen sind und ernst genommen werden. Die Stadt nahm diesen Wunsch ernst, baute das Haus um und eröffnete 1995 den Jugendtreff. 2003 wurde daraus das Kinder- und Jugendfreizeitzentrum, wie man es heute kennt: mit Treffpunkten, Proberäumen, Kreativwerkstätten, einem Saal für Konzerte und Aktionen und einer Küche, in der gebacken, gebrutzelt und geklönt wurde.
Ein sozialpädagogisches Team und viele Ehrenamtliche sorgen seitdem dafür, dass hier das ganze Jahr über etwas los ist – vom offenen Treff über Konzerte, Kurse, Spiel- und Kreativangebote, Theater- und Musikprojekte bis hin zu Ferienpass-Angeboten. Das Gebäude ist eben ein „Haus, das „seit 100 Jahren Menschen verbindet“, so Hausleiterin Britta Drees: „Wir als Team arbeiten nicht nur hier, wir leben die Rote Schule“.
Jugendbürgermeister Mirhat Gevin erlebt die Rote Schule als einen „Ort, an dem junge Menschen ihre Freizeit verbringen, Freundschaften schließen, Neues ausprobieren und Ideen verwirklichen können. Hier wird gelacht, gelernt, gespielt, diskutiert musiziert und vor allem Gemeinschaft gelebt“, sagte er und stellte auch klar: „Genau solche Orte machen eine Stadt lebendig.“
Gemeinsam mit Bürgermeister Varnhorn und Stadtjugendpflegeleiterin Daniela Weinert vergrub er anschließend vor dem Haus eine Zeitkapsel. In der messingfarbenen Dose steckten Fotos und Infos zum Haus und zur Jugendarbeit, eine stellvertretende „Hausmaus“, Souvenirs vom Jugendparlament und eine Plüschversion von „Hausgeist“ Lisa, die zusammen mit einem Brief des Bürgermeisters den Finderinnen und Findern in künftigen Jahrzehnten oder Jahrhunderten erzählen sollen, was die Rote Schule früher und im Jahr 2026 war und was Menschen hier so alles erlebt und gelebt haben.
Schon am Nachmittag war also eine Menge los – und abends ging es dann noch einmal richtig rund. Der Teamleiterchor trat noch einmal mit seinem Jahrhundert-Medley auf, bevor lokale und Kultbands die Bühne rockten: Das „Century Bash“-Open-Air mit vier Live-Bands lockte viele Gäste an, darunter zahlreiche frühere Stammgäste und ehemalige Mitarbeitende des Kinder- und Jugendfreizeitzentrums. Hier ging die Stimmung mit MSNGR, The Tourats, Rantanplan und Einfach Follgas richtig ab – und am Ende blieb das Gefühl, dass die „alte Lady“ Rote Schule auch als Hundertjährige immer noch ein lebendiger und wichtiger Teil der Cloppenburger Stadtgeschichte ist und bleiben wird.

Auf der Homepage der Stadt Cloppenburg unter www.cloppenburg.de/news gibt es eine große Bildergalerie mit Impressionen vom Jubiläumstag der Roten Schule.
………

Text: Stadt Cloppenburg