Die Energiewende findet in Werlte statt – Stadt vertritt das Land auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin

Berlin – Nach zwei Jahren Corona-Pause öffnet die Internationale Grüne Woche (IGW) Freitag in Berlin wieder ihre Pforten. Die Aussteller freuen sich, dass diese einzigartige internationale Ausstellung für Ernährung, Landwirtschaft und Gartenbau endlich wieder stattfindet. Zum 86. Mal treffen sich viele Ministerien und Nahrungsmittelproduzenten aus dem In- und Ausland, um mit ihren Gemeinschaftsschauen zu zeigen, was die faszinierende Welt der Nahrungs- und Genussmittel zu bieten hat. In diesem Jahr wird auch die Nachhaltigkeit ein Schwerpunktthema der Messe sein.

Die Stadt Werlte arbeitet schon viele Jahre mit verschiedensten Akteuren zusammen und hat es so geschafft, zum Vorreiter im Bereich Energiewende zu werden. Deshalb fragte das Land Niedersachsen, ob die Stadt Werlte das Land nicht zum Thema „Klimaschutz – Die Energiewende findet im ländlichen Raum statt“ vertreten möchte.

Bürgermeister Daniel Thele und Stadtdirektor Ludger Kewe zögerten nicht lange mit der Zusage und werden das Land mit einem Team aus Mitarbeitern in Berlin vertreten. Aber was macht Werlte zum Vorreiter im Bereich Klima-/Energieschutz? Diese Frage beantwortet die Stadt ausführlich in einer Broschüre, die sowohl auf dem Messestand vorliegt, als auch per Post an die Werlter Haushalte versendet wird.

Beispielhaft kann die Stromeinspeisung der Samtgemeinde genannt werden. Das Land Niedersachsen belegt bei der Erzeugung aus Windkraft, wie auch auch Photovoltaik die ersten Plätze in Deutschland. Innerhalb Niedersachsens gehört der Landkreis Emsland zu den führenden Gebieten. Aus einer Untersuchung der Hochschule Osnabrück geht deutlich hervor, dass Werlte innerhalb des Landkreises mit Abstand die besten Werlte erzielt.

Auch das Modell der Bürgerenergieparks überzeugt, da sowohl Flächeneigentümer, als auch Bürger:innen vor Ort am Erfolg beteiligt werden. Der Energiepark Hümmling gehört mit über 1.000 Gesellschaftern aus der Samtgemeinde Werlte zu einem der größten in Niedersachsen.

Darüber hinaus werden vor Ort in der Stadt Werlte auch eine Vielzahl an neuen Technologien und Innovationen entwickelt. Dies nicht nur im Kompetenzzentrum 3N oder im Klimacenter, sondern auch von Unternehmen vor Ort wie z. B. dem Fahrzeugwerk KRONE mit neuester eTrailer-Technologie zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes, Holzbau Janssen mit der Sparte „stock wood“, die im aktuell im Bau befindlichen Musterhauspark zeigt, wie die Zukunft des Bauens auf Basis nachwachsender oder recycelter Rohstoffe aussehen kann oder Eatventure mit der zurgehörigen Waldpack GmbH, die mit ihrer „Waldbox“ eine nachhaltige Lösung zur herkömmlichen Styroporbox entwickelt hat.

In Nachbarschaft zur Biogasanlage an der Loruper Straße entwickeln sich hingegen die Treibstoffe der Zukunft. Ob grüner Wasserstoff für Fahrzeuge, e-Gas für PKWs, synthetisches Erdgas für Schiffe oder CO2-neutrales Kerosin für Flugzeuge – alles made in Werlte. Wie herausragend die Anlage ist, zeigt auch die Liste der vielen Besucher, von Klimaforschern, über namhafte Politiker aus dem In- und Ausland bis hin zum niederländischen Königspaar, alle informieren sich in Werlte über die neuen Innovationen.

Aber auch verwaltungsintern wird viel für das Klimaschutzmanagement gemacht. Bereits 2014 hat Werlte im Verbund mit den Samtgemeinden Lathen, Nordhümmling und Sögel ein gemeinsames Klimaschutzkonzept verabschiedet und 2015 ein Klimaschutzmanagement (Energieregion Hümmling) eingerichtet. 2020 wurde das Klimaschutzmanagement dauerhaft installiert und damit die Stelle der Klimaschutzmanagerin eingerichtet. Das Klimaschutzmanagement betreut heute Klimaschutzprojekte an Schulen, Energiemanagement in den Rathäusern und berät bei Förderanträgen. 2023
soll das Klimaschutzkonzept als Vorreiterkonzept um den Bereich Verkehr erweitert werden. Damit soll eine Treibhausgasneutralität bereits bis 2040 erreicht werden.

Am 17. Februar 2022 hatte der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies fünf niedersächsischen Kommunen die Zertifikate für ihr vorbildliches Energiemanagement überreicht. Die Samtgemeinde Werlte ist eine dieser fünf Pilotkommunen, die sich nach dem länderübergreifenden Qualitätsstandard für Energiemanagement „Kom.EMS“ zertifizieren lässt.

Selbst bei der Abwasserbeseitigung geht die Samtgemeinde Werlte neue Wege, denn die Anlage wird aktuell erweitert und erneuert. Ein zentraler Bestandteil der jetzigen Umbaumaßnahme ist der Bau des zwölf Meter hohen Faulturms. Darin finden im aus dem Abwasser gefilterten Klärschlamm in einer sauerstofflosen (anaeroben) Umgebung Abbauprozesse statt. Dabei entsteht Methan, das im neuen Blockheizkraftwerk samt Gasspeicher verstromt wird. So kann mehr als 50 Prozent des Energiebedarfs der Kläranlage gedeckt werden. Auch die Entsorgung des Klärschlamms, der in einer Anlage verbrannt wird, sinkt enorm. Das spart auch CO2 Emissionen von mehreren hundert Tonnen jährlich.

Damit auch die Kleinsten Klimaschutz verstehen, gibt es eine Vielzahl von innovativen Bildungsprojekten die sowohl von Schulen, als auch von Vereinen genutzt werden. Aktuell kommt eine weitere Einrichtung hinzu – die Naturparkstation Theikenmeer, die in Kürze eröffnet wird. Hier, an einem der ältesten Naturschutzgebiete Deutschlands wurde die erste Naturparkstation des Hümmlings geschaffen. In einer Ausstellungshalle mit dem Thema „Natur-Zeit-Mensch“ wird Erwachsenen und Kindern anhand zahlreicher Beispiele das Zusammenspiel und die wechselseitigen Wirkungen der Natur vermittelt.

Durch die verschiedenen Wanderwege, die zum großen, neuen Aussichtsturm sogar barrierefrei sind, ist das Moor erlebbar geworden. Zugleich konnten durch die gezielte Besucherlenkung einige Wege entwidmet und so der Naturschutz nachhaltig gestärkt werden. Das Gebiet bleibt sowohl wertvoller Lebensraum für zahlreiche Vogelarten und Tiere, als auch ein beliebtes Naherholungsgebiet.
Dieses Angebot, welches klar dem naturnahmen Tourismus zuzuordnen ist, wird erweitert durch weitere Rad- und Wanderwege im Umfeld, dem Barfußpfad oder auch dem aktionreichen Trailpark Werlte.

Aber Ausruhen wollen sich die Werlter:innen nicht. Gerade in der vergangenen Woche wurde das energetische Quartierskonzept auf den Weg gebracht, um für große Teile der Stadt Werlte innovative Lösungen für die Wärmeversorgung den gesamten Gebäudebestand zu entwickeln. Auch hier werden Bürger:innen mitgenommen und zur aktiven Mitarbeit eingeladen.

Werlte tut was – Wer es überprüfen möchte ist herzlich zum Besuch in der Niedersachsenhalle (Halle 20, Stand 108) eingeladen.

Text: Stadt Werlte