Duchamp – „Slingshot Anthems“

Supergroups gibt es schon seit vielen Jahren, doch was Duchamp auf ihrer ersten Platte „Slingshot Anthems“ an Namedropping auffahren, grenzt schon fast an Angeberei. Am Mikrofon steht so zum Beispiel Ingo Knollmann von den Donots, Christian Kruse von Adam Angst spielt Bass, Benni Thiel von Schrottgrenze sitzt am Schlagzeug und Peter Tiedeken von Pale komplettiert das Line-up an der Gitarre. Als wenn das noch nicht genug wäre, haben sich Duchamp auch noch zahlreiche Featuregäste ins Boot geholt, die damals selbst Teil der Punkrock-Bewegung waren, vor der sich die Band verneigt. So röhrt Jason Shevchuk von Kid Dynamite auf „The Art Of Defiance“, Brian McTernan von Battery wirft sich in „Train Dodge“ ins Getümmel, Stephen Egerton von den Descendents bringt sich bei „Non Exister“ ein und Dave Smalley von Dag Nasty macht den Song „Teeth Gone Missing“ komplett. Wer bei dieser Liste an Persönlichkeiten feuchte Augen bekommt, der kann sich bereits vorstellen, was ihn auf „Slingshot Anthems“ erwartet – ein Liebesbrief an Old-School-Punk der 80er Jahre, große Hymnen und rauer Sound. Immer nur im Vergangenen schwelgen tut auf Dauer selten gut, ein bisschen Nostalgie ist aber auch nie verkehrt, wenn sie richtig dosiert ist. Duchamp ist genau das gelungen: Ihr Liebhaberprojekt lässt einen altbekannten Sound so derartig frisch erklingen, dass man es nur mit wahren Kennern zu tun haben kann. Vielleicht ein einmaliges Projekt, aber auf jeden Fall eines, das man im Gedächtnis behalten wird.

Text: Christian Wollart