Ersthelfer rettet zwei Jungen aus brennendem Kinderzimmer – Rettungshubschrauber muss wegen Unwetter Anflug abbrechen
Dramatischer Brand in Einfamilienhaus in Fürstenau
Fürstenau. Ein schwerer Brand in einem Einfamilienhaus in Fürstenau hat am Dienstagabend einen Großeinsatz von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei ausgelöst. Zwei Jungen im Alter von elf und zwölf Jahren wurden durch Feuer und Rauch verletzt. Während einer der Jungen mit einer Rauchgasvergiftung davonkam, erlitt der Elfjährige schwere Brandverletzungen. Seine Rettung wurde zusätzlich durch ein über die Region ziehendes Unwetter erschwert, das den Einsatz eines Rettungshubschraubers zunächst unmöglich machte.
Gegen 21.40 Uhr war die Feuerwehr zunächst zu einem gemeldeten Dachstuhlbrand alarmiert worden. Aufgrund der Gewitterlage im Osnabrücker Nordkreis erschien eine solche Meldung zunächst durchaus plausibel. Noch während sich die ersten Kräfte auf der Anfahrt befanden, verschärfte sich die Lage jedoch dramatisch. Die Leitstelle meldete ein Feuer mit Menschenleben in Gefahr. In einem Kinderzimmer war ein Brand ausgebrochen, in dem sich zwei Kinder befanden.
Mutiger Ersthelfer handelt sofort
Noch vor dem Eintreffen der Feuerwehr griff ein Ersthelfer beherzt ein. Er holte eine Leiter und rettete die beiden Jungen über einen Balkon aus dem Gefahrenbereich. Das Kinderzimmer stand zu diesem Zeitpunkt bereits in Vollbrand.
Für Feuerwehrsprecher Florian Kessler war schnell klar, welche Bedeutung dieses Handeln hatte.
„Dieser Ersthelfer hat heute zwei Menschen gerettet. Keiner mag sich ausmalen, was passiert wäre, wenn er nicht so gehandelt hätte“, sagte Kessler vor Ort.
Trotz der erheblichen Eigengefährdung habe der Mann genau richtig gehandelt. Nach Einschätzung der Feuerwehr wäre die Situation für die beiden Kinder ohne sein Eingreifen vermutlich deutlich schlimmer ausgegangen.
Flammen schlagen aus dem Fenster
Beim Eintreffen der ersten Feuerwehrkräfte bot sich ein dramatisches Bild. Flammen schlugen bereits deutlich sichtbar aus einem Fenster im Obergeschoss des Hauses. Sofort gingen mehrere Trupps unter Atemschutz zur Brandbekämpfung vor.
„Wir haben einen ausgedehnten Zimmerbrand im ersten Obergeschoss vorgefunden. Die Flammen waren am Fenster deutlich sichtbar“, schilderte Kessler die Lage.
Während die Brandbekämpfung lief, mussten weitere Einsatzkräfte das Gebäude kontrollieren und mögliche Glutnester aufspüren. Dabei kamen auch Maßnahmen zum Einsatz, die eine weitere Rauchausbreitung im Haus verhindern sollten. Anschließend wurden Dachbereiche und Zwischenwände geöffnet und kontrolliert.
Unwetter erschwert Rettung des schwer verletzten Kindes
Besonders dramatisch entwickelte sich die Situation für den elfjährigen Jungen. Er erlitt schwere Brandverletzungen und musste noch an der Einsatzstelle intensivmedizinisch versorgt werden. Anschließend sollte er mit einem Rettungshubschrauber in eine Spezialklinik für Brandverletzungen geflogen werden.
Doch genau in diesem Moment machte das Unwetter den Einsatzkräften einen Strich durch die Rechnung. Starkregen und schlechte Sichtverhältnisse zwangen den angeforderten Hubschrauber dazu, seinen Anflug auf die Einsatzstelle abzubrechen.
„Es wurde ein Rettungshubschrauber angefordert, dieser musste den Anflug wegen des Starkregens abbrechen. Es wurde dafür eine andere Lösung gefunden“, erklärte Kessler.
Um keine weitere Zeit zu verlieren, entschieden Rettungsdienst und Notarzt, den Jungen zunächst mit einem Rettungswagen zum Luftrettungsstandort in Greven zu transportieren. Dort konnte er schließlich in einen Hubschrauber umgeladen und in eine Spezialklinik nach Hamm geflogen werden.
Der zwölfjährige Junge wurde mit einer Rauchgasvergiftung in ein Krankenhaus gebracht.
Fünf Betroffene werden vom Rettungsdienst betreut
Neben den beiden Kindern mussten auch die Eltern sowie der Ersthelfer medizinisch betreut werden. Verletzt wurde von ihnen jedoch niemand.
„Insgesamt waren fünf Personen betroffen und wurden vom Rettungsdienst untersucht“, so Kessler.
Haus nach dem Brand unbewohnbar
An dem Einfamilienhaus entstand erheblicher Schaden. Feuer, Rauch und Löschwasser hinterließen deutliche Spuren. Nach ersten Einschätzungen gilt das Gebäude derzeit als unbewohnbar. Wie hoch der entstandene Schaden ist, kann aktuell noch nicht beziffert werden.
Rund 60 Einsatzkräfte aus fünf Feuerwehren waren an den Löscharbeiten beteiligt. Trotz des laufenden Gewitters gelang es ihnen, den Brand zügig unter Kontrolle zu bringen und eine weitere Ausbreitung zu verhindern.
Polizei ermittelt zur Brandursache
Noch während die Nachlöscharbeiten liefen, nahm die Polizei erste Ermittlungen auf. Wie es zu dem Feuer im Kinderzimmer kommen konnte, ist derzeit noch unklar.
„Die Polizei ist vor Ort gewesen und hat die Brandermittlungen aufgenommen. Zur Brandursache kann ich keine Angaben machen“, erklärte Kessler.
Während die Ermittlungen nun klären sollen, wie es zu dem Brand kam, bleibt vor allem die Rettung der beiden Jungen in Erinnerung. Nach Einschätzung der Feuerwehr hat das entschlossene Eingreifen eines Ersthelfers entscheidend dazu beigetragen, dass die Situation nicht noch tragischer endete.
TFoto: Ulf Zurlutter, NWM-TV
