Fortsetzung gesichert: Landkreis Grafschaft Bentheim übernimmt Kosten für Case- und Care Management
Das bis Sommer 2026 befristete Case- und Care Management im Landkreis Grafschaft Bentheim bleibt in der bestehenden Form erhalten und wird dauerhaft fortgeführt. Dafür gaben die Mitglieder des Kreisausschusses am Donnerstag (07. Mai 2026) einstimmig grünes Licht. Für pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen ist dies eine sehr gute Nachricht. Sie können damit weiterhin auf das dezentrale Beratungs- und Unterstützungsangebot zurückgreifen, das sich seit 2020 in den Grafschafter Kommunen etabliert hat. Qualifizierte Fachkräfte begleiten die Betroffenen individuell und helfen ihnen beispielsweise bei der Organisation von notwendigen Pflege- und Unterstützungsleistungen. Insgesamt sieben Case- und Care Managerinnen sind dafür kreisweit im Einsatz. „In der Grafschaft Bentheim sind weit über 11.000 Menschen pflegebedürftig. Mehr als die Hälfte von ihnen wird von An- und Zugehörigen ohne die Unterstützung von Pflegediensten zu Hause versorgt. Mit Blick auf den demografischen Wandel, wachsende Pflegebedarfe und zunehmende Fachkräfteengpässe steht für uns fest, dass wir das Case- und Care Management unbedingt fortsetzen müssen und zwar langfristig. Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag, Menschen mit Pflegebedarf möglichst lange zuhause in ihrer gewohnten Umgebung zu betreuen und pflegende Angehörige zu entlasten“, verdeutlicht Landrat Uwe Fietzek die Notwendigkeit des Angebotes.
Bereits im vergangenen Sommer hatte der Grafschafter Kreistag beschlossen, dass Case- und Care Management dauerhaft in den Kommunen des Landkreises zu verankern. Ein Knackpunkt war bislang allerdings die Sicherstellung der Finanzierung. Bisher hatten sich der Landkreis und die kreisangehörigen Kommunen die Kosten, die mit der Beschäftigung der Case- und Care Managerinnen einhergehen, geteilt. Das ändert sich nun. Künftig übernimmt der Landkreis die Finanzierung und trägt die Kosten in Höhe von 240.000 Euro pro Jahr alleine. „Natürlich handelt es sich hierbei um eine freiwillige Leistung, die wir grundsätzlich derzeit sehr genau auf den Prüfstand stellen. Dieses Angebot wirkt sich aber nachweislich positiv auf die Versorgungssicherheit, Prävention und eine Vernetzung von Ärzten, Pflegediensten und Sozialdiensten aus. Daher haben wir der Politik vorgeschlagen, die Kosten als Landkreis vollständig zu tragen und die Zukunft des Case- und Care Managements so zu sichern. Zumal sich auch unsere angespannte finanzielle Situation aufgrund der Mehreinnahmen durch den kommunalen Finanzausgleich verändert hat“, erklärt Landrat Fietzek.
Im Raum steht zudem die Möglichkeit einer Refinanzierung über eine besondere Förderung. „Im Rahmen eines Modellprojektes nach § 123 SGB XI könnten die Kosten mit Mitteln der Pflegeversicherung größtenteils gedeckt werden. Einen entsprechenden Antrag haben wir beim Land Niedersachsen gestellt und wir sind sehr zuversichtlich, dass es klappt“, berichtet Sozialdezernent Gert Lödden. Falls die Förderung wider Erwarten nicht bewilligt werden sollte, springe der Landkreis zu 100 Prozent bei der Finanzierung des Case- und Care Managements ein. Wichtig sei der Kreisverwaltung, dass das Angebot in seiner derzeit bestehenden Form fortgeführt werden könne. „Unser Case- und Care Management ist sehr gut aufgestellt, wirksam und fachlich anerkannt. Sollte das Land unseren Antrag auf ein Modellvorhaben genehmigen, wollen wir das Angebot weiterentwickeln“, erklärt Lödden. Angedacht seien etwa eine wissenschaftliche Begleitung, zusätzliche Kooperationen sowie eine stärkere Ausrichtung im Sinne des Ansatzes Senioren- und Pflegestützpunkt PLUS. Die Einstellung zusätzlichen Personals sei damit nicht verbunden. Lödden stellt klar: „Es handelt sich um eine rein konzeptionelle Weiterentwicklung des bestehenden Angebots. Diesen Ansatz verfolgen wir aber nur im Falle einer Förderzusage des Landes. Andernfalls läuft das Case- und Care Management auf jeden Fall so weiter, wie bislang.“
Aufgebaut, erprobt und weiterentwickelt wurde das Konzept des Case- und Care Managements innerhalb des Modellprojekt „ReKo“ (Regionales Pflegekompetenzzentrum), das 2019 in den Landkreisen Grafschaft Bentheim und Emsland gestartet ist. Neben der Gesundheitsregion EUREGIO e. V. beteiligten sich daran die Universität Osnabrück, die DAK Gesundheit sowie weitere regionale Partner. Die Evaluation nach der ersten Laufzeit von drei Jahren zeigte, dass durch das ReKo-Projekt die Beratungszahlen deutlich gestiegen waren, die Versorgung sicherer und bedarfsgerechter geworden war und viele pflegebedürftige Menschen länger zu Hause bleiben konnten. Aufgrund des Erfolgs wurde das Projekt seit September 2023 durch den Landkreis und die kreisangehörigen Kommunen weitergeführt, zunächst jedoch nur für einen Zeitraum von drei Jahren. Eine weitere Fortführung stand immer unter dem Vorbehalt einer gesicherten Finanzierung.
Angebunden ist das Case- und Care-Management an den Senioren- und Pflegestützpunkt Grafschaft Bentheim, der zur Stabsstelle für Engagementförderung und gesellschaftliche Partizipation des Landkreises gehört. Die Case- und Care Managerinnen sind dort und in den Räumlichkeiten der Familienservicebüros in den Kommunen untergebracht. Beratungen erfolgen bedarfsgerecht – persönlich in den Beratungsräumen, als Hausbesuch sowie telefonisch, digital oder schriftlich.
Text: Landkreis Grafschaft Bentheim
