Große Dienstversammlung der emsländischen Feuerwehren / Vorschlagswahl des Kreisbrandmeisters

Am 25.11.2021 fand die große Dienstbesprechung aller Feuerwehren des Emslandes im Meppener Kossehof statt. Entsprechend der zu der Zeit gültigen Pandemiebestimmungen war es diesmal eine Hybridveranstaltung. Ein Teil der Feuerwehrleute kam in den Kossehof und ein Großteil schaute via Internet zu. Da an diesem Abend noch eine Wahl durchgeführt wurde, waren nur die Wahlberechtigten in Präsenz dabei.

Kreisbrandmeister begrüßte die Teilnehmer im Saal und zu Hause - Foto: Jens Menke
Kreisbrandmeister begrüßte die Teilnehmer im Saal und zu Hause – Foto: Jens Menke

Der Kreisbrandmeister Holger Dyckhoff begrüßte die Kameradinnen und Kameraden und freute sich, dass so viele der Einladung gefolgt waren. In seinem Bericht ging er noch einmal auf die letzten Monate ein. Er nannte hier die Problematik mit der Pandemie und stellte die Frage, wie nun mit der vierten Welle umgegangen werden muss. Er rief dazu auf, neben der dritten Impfung auch an die Grippeschutzimpfung zu denken, damit die Feuerwehren einsatzbereit bleiben. Auch bat Dyckhoff darum, alles daran zu setzen, die sozialen Kontakte innerhalb der Wehren zu minimieren. Möglichkeiten wären die Reduzierung der Teilnehmer bei den notwendigen Ausbildungsdiensten oder auch die Nutzung der Technik bei Hybridveranstaltungen. Dyckhoff regte noch einmal an, an die Hygienemaßnahmen zu denken, die Boosterimpfung zu organisieren und bei Bedarf einen Selbsttest durchzuführen.

Die Niedersächsische Akademie für Brand- und Katastrophenschutz will 2022 wieder in den vollen Lehrbetrieb gehen. Hier wird die 2-G-Regel als Standard eingeführt. Es sollen allerdings nur Führungslehrgänge angeboten werden, die anderen dann vielleicht auf Kreisebene. Es gäbe auch die Idee, z. B. den Truppführer-Lehrgang in digitaler Form anzubieten und den Rest dann auf Kreisebene.

Regierungsbrandmeister Matthias Röttger war online dabei - Foto: Jens Menke
Regierungsbrandmeister Matthias Röttger war online dabei – Foto: Jens Menke

Im Emsland stellten im letzten Jahr 2.836 Feuerwehrleute den Brandschutz sicher, davon 147 Frauen. Hier ist ein stetiger Anstieg zu verzeichnen. Lediglich bei den Jugendfeuerwehren, bei denen 490 Mitglieder (davon 83 Mädchen) gezählt werden, gab es einen leichten Rückgang, welcher aber mit den Übernahmen in die Einsatzabteilungen zu erklären ist. Insgesamt kam es 2020 zu 2662 Einsätzen. Diese teilten sich in 920 Brandeinsätze, 1.345 technische Hilfeleistungen und 397 Fehlalarmen auf.

Michael Albers konnte Neuigkeiten der Leitstelle Ems-Vechte berichten - Foto: jens Menke
Michael Albers konnte Neuigkeiten der Leitstelle Ems-Vechte berichten – Foto: jens Menke

Der Kreisbrandmeister ging auch noch einmal auf besondere Einsatzformen ein. So ist es zum Beispiel, wenn asbesthaltiges Material bei einem Brandeinsatz in Mitleidenschaft gezogen wird. Das komplette Material und die Einsatzbekleidung müssen dann einer fachmännischen Reinigung zugeführt werden, die darüber einen Nachweis erbringt. Die eingesetzten Einsatzkräfte sind allesamt in die Zentrale Explorationsdatenbank einzupflegen, um Spätfolgen nachweisen zu können. Diese Aufgaben können nach Dyckhoffs Meinung nicht mehr die ehrenamtlichen Kräfte übernehmen. Hier ist das Hauptamt gefordert.

Auch Brände von Elektrofahrzeugen ist immer wieder ein Thema. Prinzipiell geht von diesen Fahrzeugen erst einmal keine größere Gefahr aus als von PKW mit Verbrennungsmotoren. Probleme entstehen erst, wenn es zu einer thermischen Reaktion in der Batterie kommt, einem sogenannten „Thermal Runaway“. Hierbei müssen die Fahrzeuge zwischen 24 und 48 Stunden durchgehend gekühlt werden. Dafür gibt es mittlerweile wasserdichte Abrollbehälter, in die das Fahrzeug getaucht wird. Die Brandbekämpfung sieht Dyckhoff ganz klar als Aufgabe der Feuerwehr. Der Abtransport und die Entsorgung des Löschwassers müsse durch Fachfirmen erfolgen.

Derzeit werden neue Tanklöschfahrzeuge für die Vegetationsbrandbekämpfung (TLF 3000 CCFM „Niedersachsen“ auf Renault D14 R4x4) im Emsland getestet. Die Erfahrungswerte werden nun ausgewertet. Das Land Niedersachsen bezuschusst 23 TLF 3000 (Unimog) für die Fachzüge „Waldbrand“.

Dr. Sigrid Kraujuttis berichtete für den Landkreis Emsland - Foto: Jens Menke
Dr. Sigrid Kraujuttis berichtete für den Landkreis Emsland – Foto: Jens Menke

Einen Blick in die Zukunft wagte Dyckhoff mit den Dingen, die in der nächsten Zeit anstehen. Sei es ein Konzept für die übergemeindliche Einsatzstellenhygiene, die Versorgung und Logistik der Einsatzkräfte, die bauliche und personelle Entwicklung der Feuerwehrtechnischen Zentralen (FTZ) und der Ausbildungszentren und die weitere Anschaffung der LF 20 KatS – alles dieses sind Aufgaben, die weiter angepackt werden müssen.

Die Dezernentin des Landkreises Frau Dr. Sigrid Kraujuttis berichtete, dass die Beschaffung der zwei Löschgruppenfahrzeuge (LF 10), der zwei Wechselladerfahrzeuge und die Abrollbehälter für die Technische Einsatzleitung im ersten Halbjahr 2022 abgeschlossen sein werden. Die Sanierungen im Ausbildungszentrum in Sögel sind abgeschlossen. In dem in Lingen sind noch Arbeiten durchzuführen, dafür werden derzeit Gespräche geführt. Kraujuttis dankte der Arbeitsgruppe „Digitale Alarmierung“ für ihre Arbeit. Rechtliche Bedenken wurden von einem Anwaltsbüro zur Zufriedenheit geklärt und so kann es an die weiteren Planungen gehen. In die Zukunft gerichtet berichtete sie von einem Aufbau eines reaktionsschnellen und zentral steuerbaren Warnsystems. Gedacht wird hier an den Ausbau der Sirenen oder die weitere Nutzung von Warn-Apps. Auch die Problematik eines Black-Out (kompletter Stromausfall) soll durchgeplant werden. Frau Dr. Kraujuttis richtete ihren Dank an die Einsatzkräfte des Landkreises Emsland, die in den derzeit schwierigen Zeiten weiterhin als moderner Dienstleister auftreten.

Die-vorgesehenen-Befoerderugnen-wurden-verkuendet - Foto: Jens Menke
Die-vorgesehenen-Befoerderugnen-wurden-verkuendet – Foto: Jens Menke

Dr. Harald Eversmann stellte sich anschließend einmal persönlich den Führungskräften vor. Er hat in diesem Jahr den Posten als „Ärztlicher Leiter Rettungsdienst“ von Dr. Hagemann übernommen. Diese Tätigkeit schließt auch die Funktion des Leitender Notarztes mit ein.

Auch die Vorschlagswahl des Kreisbrandmeisters stand an diesem Abend auf der Tagesordnung. Dafür waren zu dieser hybriden Veranstaltung nur die wahlberechtigten Ort- und Gemeindebrandmeister im Kossehof vertreten. Der Gewinner der Vorschlagswahl wird dann durch den Regierungsbrandmeister dem Kreistag empfohlen, die den Kreisbrandmeister für 6 Jahre in das Ehrenbeamtenverhältnis ernennen. Vorgeschlagen wurde der derzeitigen Amtsinhaber Holger Dyckhoff, welcher einstimmig (bei einer Enthaltung) gewählt wurde.

Für die Leitstelle Ems-Vechte berichtete Michael Albers von personellen Veränderungen und technischen Neuerungen aus dem letzten Jahr. Hier ging es webbasierte Anwendungen, welche bei größeren Schadenlagen (z. B. Unwetter) den Feuerwehren die Einsatzplanungen erleichtern. Auch auf die Neuerungen der Alarmierungen ging Albers ein.

Online zugeschaltet berichtete der Regierungsbrandmeister Matthias Röttger von den Entwicklungen des Niedersächsischen Brandschutzgesetzes, dessen Novellierung erwartet wird. Es wird augenscheinlich nicht den Erwartungen gerecht, denn die erarbeiteten Punkte der Strukturkommissionen sind kaum berücksichtigt worden.

Auch online berichtete der Kreisausbildungsleiter Florian Bethke über die Tätigkeiten der Kreisausbilder. Von März 2020 bis heute haben diese ca. 890 Feuerwehrmitglieder geschult. Bethke dankte in diesem Zuge noch einmal den Feuerwehren, die dafür Räumlichkeiten in den Feuerwehrhäusern bereitgestellt haben. Für das Jahr 2022 sind bislang (verteilt über alle Sparten) über 1.000 Lehrgangsplätze angefragt worden. Ein Lehrgangsplan sei daher bislang kaum darstellbar.

Zum Abschluss blickte der Kreisbrandmeister Holger Dyckhoff auf geplante Termine für 2022. So gibt es in Bawinkel und in Aschendorf Jubiläen zu feiern und der Kreisfeuerwehrtag findet am 11.09.2022 ebenfalls in Aschendorf statt.

Text und Fotos: Jens Menke