Hundert Jahre jung geblieben – die „Rote Schule“ feiert
Schönschreiben und Kopfrechnen, Natur- und Vaterlandskunde – das stand bei den Volksschülern der 1920er Jahre auf dem Stundenplan. Heute kommen Kinder und Jugendliche für Kreativangebote, Konzerte und Ferienaktionen hierher – 100 Jahre „Rote Schule“ und die werden am Samstag, 8. August, mit einem Aktionstag und einem Open-Air-Konzert gefeiert.
Als nach dem Ersten Weltkrieg die Zahl der Schülerinnen und Schüler in Cloppenburg in den 1920er Jahren stark anstieg, und Unterrichtsräume knapp wurden, entschied sich die Stadt für einen Neubau auf dem Marktplatz: 1926 wurde die „Rote Schule“ eröffnet. „Rot“ dank des Ziegelstein-Mauerwerks – im Gegensatz zur hell verputzten „Weißen Schule“, die damals an der Eschstraße stand.
Geplant war ein hufeisenförmiger Komplex, tatsächlich gebaut wurde nur der markante vierstöckige Hauptbau, so wie er noch heute besteht. In den ersten Jahrzehnten lernten dort Hunderte Mädchen und Jungen, oft in eng besetzten Klassen. Dann kam der Zweite Weltkrieg und hinterließ deutliche Spuren: Die Schulen in der Innenstadt wurden beschädigt, Räume fehlten, und der Unterricht musste mit viel Improvisation organisiert werden. Teilweise wurde in der nahegelegenen Münsterlandhalle unterrichtet, und der Schulbetrieb lief zeitweise im Schichtsystem – vormittags die einen, nachmittags die anderen.
Als sich die Stadt in den 1950er- und 1960er-Jahren weiterentwickelte, entstanden neue Schulstandorte. Die Rote Schule blieb zunächst weiter im Einsatz, wurde später aber nicht mehr dauerhaft als Schulgebäude gebraucht. In den 1980er- und 1990er-Jahren stand die Rote Schule zeitweise leer oder wurde nur noch punktuell als Außenstelle der Grundschule St. Andreas genutzt. Parallel dazu wuchs in Cloppenburg der Wunsch nach einem autonomen Treffpunkt für junge Leute. Jugendliche organisierten sich, gründeten einen eigenen Verein und forderten ein Jugendzentrum – und zwar genau dort, wo vorher die Schulklassen gesessen hatten.
Demos, Diskussionen und eine kurze Hausbesetzung Anfang der 1980er Jahre machten deutlich, wie ernst es der Jugend mit ihrem Anliegen war. Vor allem eines wurde unübersehbar: Cloppenburg brauchte einen zentralen Ort, an dem junge Menschen willkommen sind, niedrigschwellig und ohne Konsumzwang.
Die Stadt nahm das auf und stellte die Weichen neu. Nach Umbau und Sanierung eröffnete 1995 in der Roten Schule der städtische Jugendtreff, 2003 wurde daraus das heutige Kinder- und Jugendzentrum. Aus Klassenräumen wurden Treffpunkte, Proberäume, Kreativwerkstätten und ein großer Saal für Konzerte, Theater und Ferienaktionen. Auch eine Küche gibt es hier. Ein sozialpädagogisches Team und engagierte Ehrenamtliche sorgen seitdem dafür, dass hier das ganze Jahr über etwas los ist – vom offenen Treff über Konzerte, Kurse, Spiel- und Kreativangebote, Theater- und Musikprojekte bis hin zu Ferienpass-Angeboten. Viele junge Menschen, die heute mit einer Jugendleiter-Card (Juleica) mithelfen, kennen die Rote Schule noch aus ihrer eigenen Kindheit…
Zum 100-jährigen Bestehen feiert die Stadt Cloppenburg das Jubiläum der Roten Schule mit einem bunten Programm. Am Samstag, 8. August 2026, öffnet das Kinder- und Jugendzentrum seine Türen zum „Tag der offenen Tür“: Hier gibt es Mitmachangebote, Ausstellungen zur Geschichte, Einblicke in die heutige Arbeit, Kreativaktionen, Spiele und vieles mehr. Zum Auftakt wird zudem eine Zeitkapsel mit Erinnerungen und Botschaften zum Jubiläum im Boden versenkt – als Gruß an folgende Generationen.
Am Abend gehört die Bühne dann der Musik: Beim „Century Bash“-Konzert direkt vor der Roten Schule spielt als Headliner die Hamburger Band „Rantanplan“ – umsonst und draußen mitten in der Stadt. Alle Bürgerinnen und Bürger,Schüler und Besucher von damals und heute sind herzlich eingeladen, mitzufeiern.
Weitere Informationen zum Kinder- und Jugendzentrum Rote Schule gibt es unter www.roteschule-clp.de.

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Text: Stadt Cloppenburg
