Hymne für Widerstand und Freiheit – Gedenkstätte Esterwegen erinnert an 85 Jahre „Lied der Moorsoldaten“

Meppen. In diesem Monat wird das „Lied der Moorsoldaten“ 85 Jahre alt. Im August 1933 erlegte es seine „Uraufführung“ im Lager Börgermoor.

„Ewig kann’s nicht Winter sein“, heißt es darin vorsichtig hoffnungsvoll in der letzten Strophe. Es ist zugleich der Titel einer Veranstaltung am Sonntag, 12. August, um 15 Uhr, mit der in der Gedenkstätte Esterwegen, Hinterm Busch 1, in Esterwegen an die bewegende Geschichte des berühmten KZ-Lieds erinnert werden soll. Referent ist Fietje Ausländer, Mitarbeiter der Gedenkstätte und Mitautor einer ausführlichen CD-Edition zum Thema.

Hymne für Widerstand und Freiheit - Gedenkstätte Esterwegen erinnert an 85 Jahre „Lied der Moorsoldaten“ - Liedblatt von Hanns Kralik (Düsseldorf), KZ Börgermoor 1933. Foto: Landkreis Emsland
Hymne für Widerstand und Freiheit – Gedenkstätte Esterwegen erinnert an 85 Jahre „Lied der Moorsoldaten“ – Liedblatt von Hanns Kralik (Düsseldorf), KZ Börgermoor 1933. Foto: Landkreis Emsland

„Kein anderes der in den Lagern der Nationalsozialisten geschriebenen Lieder hat eine solche Popularität und Verbreitung erfahren wie diese aus dem emslandischen KZ Börgermoor überlieferte Hymne der Inhaftierten“, sagt Landrat Reinhard Winter, Vorstandvorsitzender der Stiftung Gedenkstätte Esterwegen. Mit dieser Veranstaltung wolle die Gedenkstätte einmal mehr den Fokus auf die Erinnerungsarbeit legen. „85 Jahre nach Veröffentlichung des Moorsoldatenlieds und 73 Jahre nach Ende des 2. Weltkriegs stellt sich insbesondere die Frage wie es uns gelingen kann, die Vergangenheit wachzuhalten und als wichtige Mahnung in die Zukunft zu transportieren“, so Winter.

Im Lager Börgermoor wurden vorwiegend politische Gegner des Nazi-Regimes gefangen gehalten. Mit einfachen Werkzeugen wie dem Spaten mussten diese dort das Moor kultivieren. Nachdem das Lied 1933 bei Häftlingsdarbietungen erstmals gesungen wurde, gelangte es in den Jahren bis 1945 in viele weitere Lager des NS-Regimes, u. a. in die Konzentrationslager Sachsenhausen und Buchenwald. Für viele Häftlinge wurde das Lied zu einem Symbol des Freiheitswillens und des Widerstandsgeistes. Gesungen wurde es außerdem von den Internationalen Brigaden im Spanischen Bürgerkrieg (1936-1939) oder in der französischen Résistance.

Ab 1945 gehörte das „Moorsoldatenlied“ zum Repertoire von Gedenkveranstaltungen im In- und Ausland. Daneben diente es je nach den politischen und kulturellen Zwecken als Protest-, Volks-, Arbeiter- oder Friedenslied. Mit der Geschichte des Lieds verwoben ist zugleich die Geschichte der beiden deutschen Nachkriegsstaaten. Gehörte es in den Schulen der DDR zum Pflichtprogramm des Musikunterrichts, führte es in der Bundesrepublik lange Jahre ein Nischendasein. Heute ist es Gegenstand vieler Neubearbeitungen, wiederzufinden etwa auch im Repertoire der Punkrock-Band „Die Toten Hosen“.

Während der Veranstaltung soll die wechselvolle Liedgeschichte nacherzählt werden, veranschaulicht durch Fotos, Dokumente und Liedbeispiele aus den 1930er Jahren bis heute.

Der Eintritt beträgt fünf Euro für Erwachsene, für Jugendliche drei Euro.

Weitere Informationen sind im Internet unter www.gedenkstaette-esterwegen.de zu finden.

Text und Foto: Landkreis Emsland