Jutta und Dr. Aloys Klaus: Höchste staatliche Ehrung für ein außergewöhnliches Paar
Landkreis Cloppenburg. Ein Ehepaar: Zwei Bundesverdienstkreuze. Landrat Johann Wimberg hat im Dorfkrug des Museumsdorfes Cloppenburg in Vertretung des Bundespräsidenten Jutta und Dr. Aloys Klaus ausgezeichnet. Soweit man zurückblicken kann, ist es wohl das erste Mal, dass im Landkreis Cloppenburg ein Ehepaar gleichzeitig mit dieser Ehrung bedacht wird.
Der Landrat erinnerte an das gesellschaftliche Grundversprechen: Wir lassen niemanden allein. Dieses Versprechen brauche Menschen, „die eine Lücke sehen – und sich entscheiden, sie zu schließen.“ Die Welt könnte aus einem gewissen Blick eine bessere sein. Und Jutta und Aloys Klaus hätten genau diesen Blick bewiesen: „Und sie haben, wo immer sie hingeschaut haben, gehandelt“, so Wimberg. „Anpacken statt Meckern, Handeln statt frustriert zu sein.“ Alleine oder gemeinsam hätten sie vieles umgesetzt, wovon heute viele profitieren. Immer mit der Unterstützung des anderen.
Jutta Klaus hat sich über Jahrzehnte in der kommunalen Politik engagiert – als Ratsmitglied, ehemalige stellvertretende Bürgermeisterin und Vorsitzende der UWG. Ihr eigentliches Herzstück aber ist die Ehrenamtsagentur, die sie mitaufgebaut hat und die heute Freiwillige und Organisationen im gesamten Landkreis vernetzt. Mit dem digitalen „Mitwirk-o-Mat“, dem jährlichen Heldensamstag – in diesem Jahr bereits zum sechsten Mal – und Projekten wie „Löppt! Mitnanner“ ist daraus ein echtes „Ökosystem des Engagements“ geworden. „Wenn Jutta Klaus um ein Gespräch bittet, dann weiß man, dass gleich ein neues Projekt auf dem Tisch liegt“, betonte Wimberg. Sie habe sich dabei aber nie in den Vordergrund gestellt.
Dr. Aloys Klaus wiederum hat als Arzt täglich erlebt, was schwerstkranken Menschen fehlt – und daraus immer wieder Konsequenzen gezogen. Er war Mitgründer und langjähriger Vorstandsvorsitzender der Bürgerstiftung Cloppenburg: 20.000 Euro fließen jährlich aus den Stiftungserträgen in gemeinnützige Projekte. Als Initiator des Palliativstützpunktes am Cloppenburger Krankenhaus hat er entscheidende Weichen für eine bessere palliativmedizinische Versorgung im Landkreis Cloppenburg gestellt. Mit großem persönlichem Einsatz war Aloys Klaus die treibende Kraft beim Aufbau des Hospizes wanderlicht, das am 1. April 2019 seine Türen öffnete und seitdem schwerstkranken Menschen und ihren Zugehörigen einen Ort der Zuwendung und Geborgenheit bietet. Auch nach der Eröffnung kümmerte er sich als ehrenamtlicher Geschäftsführer um den Betriebsaufbau und die Weiterentwicklung des Hospizes wanderlicht.
Auch die Gründung der Kleebaum Stiftung, ausgestattet mit über drei Millionen Euro, begleiteten beide Eheleute aktiv.
„Sie entzünden die Fackeln und reichen sie weiter, damit alle zusammen strahlen können“, fasste Wimberg das Wirken des Paares zusammen. „Sie gründen nicht, um zu verwalten. Sie bauen auf, damit andere mit ihnen weitermachen können.“ Diese geschaffenen Gemeinschaften würden überdauern. „Sie haben nicht auf Aufträge gewartet, sondern Möglichkeiten gesehen.“ Ein Dank galt auch der Familie des Ehepaares – 21 Kinder und Enkelkinder –, die manch einen Abend auf die Eltern verzichtet haben. Auch allen Wegbegleiterinnen und Wegbegleitern dankte der Landrat für ihr Engagement.
„Immer wirksam“
Bürgermeister Neidhard Varnhorn erläuterte, was die beiden auszeichne, sei nicht allein die Fülle ihres Engagements, sondern die Haltung dahinter. „Ihr macht nicht einfach ‚mit‘. Ihr gestaltet. Ihr denkt weiter. Und vor allem: Ihr bleibt dran.“ Varnhorn, der das Ehepaar aus gemeinsamer Arbeit im Stadtrat und in den Gremien der Kleebaum-Stiftung kennt, brachte es auf einen Nenner: „Wenn irgendwo in Cloppenburg etwas entsteht, das Menschen zusammenbringt, etwas, das hilft, das trägt – dann seid ihr häufig irgendwie dabei. Manchmal sichtbar vorneweg, manchmal eher im Hintergrund. Aber immer wirksam.“ Besonders beeindrucke ihn, dass es dem Paar nie um das schnelle Ergebnis gehe: „Sondern um das, was bleibt.
Strukturen, die tragen. Netzwerke, die wachsen. Ideen, die sich weiterentwickeln.“ Jutta Klaus habe Engagement nicht dem Zufall überlassen, sondern ihm ein Zuhause gegeben. Die Kleebaum-Stiftung stehe genau für das, was beide leben: verwurzelt sein, wachsen lassen, Glück weitergeben. „Das ist alles nicht laut oder spektakulär aber für unsere Stadt und die Menschen von unschätzbarem Weg“, sagte Varnhorn.
Aus Partnerschaft wurde Freundschaft
In einer herzlichen Ansprache lobte auch Franz-Josef Schewe, der mit seiner Anregung für Aloys Klaus die Auszeichnung ins Rollen gebracht hatte, die Leistungen seines Freundes. „Deine Vision von der Verbesserung der palliativen Versorgung ist durch das „wanderlicht“ Realität geworden. Dank deiner Arbeit ist ein Ort der Fürsorge, der Menschlichkeit entstanden“, hob Schewe hervor. „Es erfüllt mich mit Freude und großer Dankbarkeit, dass diese Arbeit zu tiefer Freundschaft zwischen uns geführt hat.“ Wichtige Entscheidungen würden nicht alleine getroffen, sondern zuhause noch qualitätsgeprüft durch seine Frau, der Schewe ebenfalls dankte. „Ihr seid das erfolgreichste „Vier-Augen-Prinzip“ im Landkreis Cloppenburg.“ Das Paar sei beseelt davon, etwas Gutes zu tun, „die Lebensqualität in unserer Region zu verbessern und das ganz wesentlich durch ehrenamtliche Tätigkeiten“.
„Viele aktivieren, damit sie selber agieren“
Nun folgte eine Würdigung in Reimform, vorgetragen von Rita Moormann – seit 40 Jahren Nachbarin und Freundin von Jutta Klaus. Moormann erinnerte daran, wie 1986 ein Arzt namens Klaus samt Frau und fünf Kindern in die Leipziger Straße einzog und die Nachbarschaft belebte – der Beginn einer herzlichen Freundschaft, die bis heute hält. Moormann zeichnete ein lebendiges Bild von Jutta Klaus als Frau mit unbändigem Tatendrang: Über Stationen bei der Tafel und in der Politik fand sie schließlich zu ihrem eigentlichen Herzensstück: der Cloppenburger Ehrenamtsagentur. „Viele aktivieren, damit sie selber agieren“, reimte Moormann unter anderem. Sie schloss mit dem Fazit: All das lasse sich mit Geld nicht aufwiegen. Es bleibe nur, sich vor Jutta Klaus tief zu verbeugen – und ihr von Herzen zum wohlverdienten Orden zu gratulieren.
Dank für alle Unterstützerinnen und Unterstützer
Das Ehepaar Klaus zeigte sich tief gerührt von der Auszeichnung mit dem Bundesverdienstkreuz und den vielen guten Worten, die ihre Vorredner für beide gefunden hatten und dankte herzlich. „Es ist sehr schön, wenn eine Hand in die andere greift und daraus etwas entsteht. Wenn man am Ende staunt, obwohl es schwierig war und es Gegenwind gab, und doch gelungen ist. Mit euch allen haben wir gezeigt, dass es Wege und Lösungen gibt. Dafür möchten wir euch allen danken“, betonte Jutta Klaus. „Wir waren nicht allein, wir hatten viele Menschen um uns, die uns unterstützt haben. Unsere Familie, unsere Freunde, unsere wichtigsten Weggefährten. Ohne eure Unterstützung wäre vieles nicht entstanden. Ihr habt alle einen ebenso großen Anteil, an dem was entstanden ist“, dankte Dr. Aloys Klaus.
Abschließend gab es noch großes Lob von 21 Kindern und Enkelkindern, die sogar ein Lied einstudiert hatten und die frischgebackenen Bundesverdienstkreuzträger zu Tränen rührte.

Text und Foto: LK Cloppenburg
