Lingen – Schlag gegen kriminelles Handwerkernetzwerk – Haftbefehle erlassen

Lingen (ots) -Ermittlern der Polizeiinspektion Emsland / Grafschaft Bentheim ist ein Schlag gegen eine überregional agierende Betrügerbande gelungen. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Osnabrück wurde gegen vier
Mitglieder eines kriminellen Schlüsseldienstnetzwerkes Haftbefehl
erlassen.

Die Beschuldigten im Alter zwischen 25 und 30 Jahren stehen in
Verdacht, seit Anfang des Jahres 2019 in mindestens 65 Fällen
Handwerksleistungen im Zusammenhang mit Türöffnungen in
betrügerischer Weise abgerechnet zu haben. Die Aufträge wurden den
Männern jeweils von professionell vernetzten Vermittlerzentralen
übertragen.

Dieses kriminelle Netzwerk umfasst weit mehr, als die festgenommen
vier Personen und beschränkt sich nicht nur auf die Leistungen von
Schlüsseldiensten. Vielmehr konnte festgestellt werden, dass
Tätigkeiten wie Rohrreinigungen oder Schädlingsbekämpfungen über
dieselben Zentralen weitervermittelt wurden. Die Internetseiten
suggerierten den Kunden, man würde einen lokalen, seriösen Anbieter
mit den Handwerksarbeiten betrauen. Das Firmengeflecht mit
unterschiedlichen Aufgabenbereichen sorgte in diesem Zusammenhang
dafür, dass die jeweiligen Homepages bei Suchmaschinen im Internet
entsprechend günstig platziert waren.

Drei der Festgenommenen agierten im Schlüsselnotdienst und
verlangten auf Weisung des vierten Mannes für ihre Arbeiten massiv
überzogene Preise zwischen 500 und weit über 2000 Euro. Üblich sind
in diesem Gewerbe jedoch lediglich Rechnungen zwischen 80 und 240
Euro. In der Regel wurden den Kunden handelsübliche Schließzylinder
verbaut, welche mit bis zu 600 Euro berechnet wurden. In vielen
Fällen war der Ausbau der intakten Schließzylinder nicht
erforderlich. Den Kunden wurde hierbei wiederholt mitgeteilt, dass
kein „Eigenverschulden“ vorliegen würde und die Hausratversicherung
den Schaden übernehmen werde. Hierbei wurden von den Männern
regelmäßig Notlagesituationen der ausgesperrten Kunden ausgenutzt.
Wiederholt übten sie massiv Druck auf Geschädigten aus, wenn sie sich
weigerten die überhöhten Rechnungen zu bezahlen. Regelmäßig behielten
sie Wertgegenstände oder Personalausweise als Pfand und Druckmittel
ein.

Ermittlungen ergaben, dass neben den Monteuren auch die im Ausland
sitzenden Hintermänner und Betreiber der Internetportale an den
Betrügereien deutschlandweit mitverdienten.

Die Polizei in Lingen hatte wegen der hohen Zahl der durch die
vier Männer begangenen Straftaten eigens eine Ermittlungsgruppe
eingerichtet. Am 15. Mai wurden die vier Beschuldigten
unterschiedlicher Staatsangehörigkeiten im Rahmen eines groß
angelegten, länderübergreifenden Polizeieinsatzes festgenommen. Dabei
wurden acht Wohnungen und drei Firmengebäude in Niedersachsen, Bremen
und Nordrhein-Westfalen durchsucht. Die Männer hielten sich zur
Festnahmezeit in Nordhorn, Bremen sowie Oyten auf und konnten durch
Spezialkräfte festgenommen werden. Neben umfangreichem Beweismaterial
wurden dabei auch Vermögenswerte in sechsstelliger Höhe
beschlagnahmt.

An den Durchsuchungen und den Festnahmen waren mehr als 140 Beamte
aus Niedersachsen, Bremen und Nordrhein-Westfalen beteiligt, darunter
auch Spezialeinheiten und die Bereitschaftspolizei Osnabrück. Die
vier Beschuldigten sitzen in Untersuchungshaft. Ein Ende der
polizeilichen Ermittlungen zeichnet sich noch nicht ab. Die Beamten
gehen davon aus, dass die Festgenommenen und ihr Netzwerk für weit
mehr als die 65 im Haftbefehl aufgeführten Taten verantwortlich sind.
Im Rahmen der mehrmonatigen Ermittlungen wurden bis dato knapp 700
vollendete und versuchte Straftaten registriert.