Menschenwürde bis zum Schluss – Landkreis Emsland verleiht erste Hospiz-Siegel an stationäre Pflegeeinrichtungen

Lingen. Menschen, die ihre letzte Lebensphase in einer stationären Pflegeeinrichtung verbringen und auch ihren Angehörigen soll eine kompetente Sterbe- und Trauerbegleitung ermöglicht werden. Dazu initiierten die Hospiz-Hilfe Meppen und  der Lingener Hospiz e.V. im Rahmen der Gesundheitsregion Emsland das zunächst befristete Projekt „Netzwerk Hospizkultur – stationäre Pflegeeinrichtungen im Landkreis Emsland“. Ziel war es, hospizliche Strukturen in den Einrichtungen zu erproben und zu etablieren. In den ausgewählten stationären Pflegeeinrichtungen Stephanushaus in Lingen und Marienhaus in Meppen wurde das Pilotprojekt durchgeführt. Sie erhielten nun im Lingener Ludwig-Windthorst-Haus als erste Einrichtungen das Hospiz-Siegel. In den nächsten Schritten soll das Projekt emslandweit eingeführt und das Hospiz-Siegel etabliert werden.

„Das Sterben ist die letzte große biographische Herausforderung am Lebensende. Eine Begleitung in dieser Situation bedeutet, sich selbst dem Sterbe- und Trauerprozess zu stellen. Es ist uns ein Anliegen, dass Menschen, die in diesem Bereich arbeiten, diesen Herausforderungen gestärkt begegnen können“, erklärt Sozialdezernentin Dr. Sigrid Kraujuttis.

Hintergrund für die Einrichtung des Projekts im Dezember 2017 war das neue Hospiz- und Palliativgesetz. Dies sieht vor, dass jedem Bewohner einer Pflegeeinrichtung eine individuelle Versorgungsplanung in der letzten Lebensphase angeboten wird. Das Projekt wurde zusätzlich von der NDR-Benefizaktion „Hand in Hand in Norddeutschland“ mit 25.000 Euro gefördert. Der Landkreis Emsland unterstützte das Netzwerk mit 25.000 Euro.  

Die Preisträger des Hospiz-Siegels, die Pflegeeinrichtungen Stephanushaus in Lingen und Marienhaus in Meppen, sowie die Veranstalter freuen sich über eine gelungene Veranstaltung. (Foto: Landkreis Emsland)
Die Preisträger des Hospiz-Siegels, die Pflegeeinrichtungen Stephanushaus in Lingen und Marienhaus in Meppen, sowie die Veranstalter freuen sich über eine gelungene Veranstaltung. (Foto: Landkreis Emsland)

Während des Projekts setzten sich die beteiligten Einrichtungen aktiv mit der Hospizidee auseinander. Gemeinsam mit den Hospizdiensten und unter fachlicher Beratung durch Gerda Graf als Ehrenvorsitzende vom Deutschen Hospiz- und PalliativVerband wurden dazu einheitliche Standards entwickelt, um alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beider Pflegeeinrichtungen aus sämtlichen Fach- und Zuständigkeitsbereichen im Umgang mit Sterben, Tod und Trauer zu schulen – von der Reinigungskraft über die Pflegekräfte bis hin zur Heimleitung. „Ziel war es, ihnen Ängste, Sprachlosigkeit und Gefühle der Ohnmacht oder Überforderung zu nehmen. Die Mitarbeiter sollten auf diese Weise psychische Entlastung erfahren und Krankhausaufenthalte der Bewohner sollten am Lebensende deutlich gesenkt werden können“, betont Kraujuttis.

Viele Pflegekräfte bemängelten beispielsweise im Vorfeld, dass Einzelbegleitungen von Menschen am Lebensende in den Pflegeeinrichtungen schwierig seien. Häufig sei diese letzte Phase dadurch gekennzeichnet, dass die Bewohner noch einmal ins Krankenhaus verlegt werden. „Ein Sterben in Würde hängt wesentlich von den Rahmenbedingungen ab. Zu einer guten Alten- und Krankenversorgung in der Kommune zählt deshalb auf jeden Fall eine kompetente Sterbe- und Trauerbegleitung. Dazu gehört es auch herauszufinden, welche Möglichkeiten der Nähe und Fürsorge, aber auch der Sorge für sich selbst es in dieser Situation geben kann“, erklärt Johanna Sievering, Leiterin des Fachbereichs Gesundheit.

Mit Abschluss des Projekts im Dezember 2018 gab es zahlreiche positive Rückmeldungen aus den Einrichtungen, berichtet die Vorsitzende der Hospiz-Hilfe Meppen e. V., Dr. Carmen Breuckmann-Giertz; „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nannten uns beispielsweise eine deutlich stärkere Sensibilisierung beim Umgang mit den Themen Sterben, Tod und Trauer sowie mit dem damit verbundenen Prozess des Abschiednehmens. Durch die Projektteilnahme bekamen sie die Gelegenheit, sich intensiv mit dem sensiblen Thema des Lebensendes und den damit verbundenen ethischen Herausforderungen, den Trauerzeiten und letztendlich auch mit sich selbst auseinandersetzen zu können“. Doch es wurde nicht nur die fachliche Ebene erreicht, sondern auch die persönliche Ebene der Mitarbeiterzufriedenheit am Arbeitsplatz. Zudem zeigte sich eine deutliche Verringerung von Krankheitsständen.

Text und Foto: Landkreis Emsland