Nach neun Monaten: Notunterkunft für Geflüchtete in den Kreissporthallen geschlossen

Nach den Weihnachtsferien stehen die Kreissporthallen in Nordhorn wieder für den Schul- und Vereinssport zur Verfügung. Die Notunterkunft für Geflüchtete aus der Ukraine, die dort in den vergangenen neun Monaten eingerichtet war, ist geschlossen und bereits komplett zurückgebaut. Beim Betreten der Hallen erinnert jetzt nichts mehr daran, dass hier in Spitzenzeiten bis zu 150 Menschen gleichzeitig Schutz und Zuflucht gesucht haben. Ein letztes Mal waren Landrat Uwe Fietzek, die Dezernenten Dr. Elke Berte und Gert Lödden sowie Heinz Heetjans vom DRK-Kreisverband Grafschaft Bentheim noch einmal vor Ort und blickten auf die herausfordernde Zeit zurück.

Seit Ausbruch des Krieges in der Ukraine im Februar 2022 hat der Landkreis Grafschaft Bentheim rund 2.200 Geflüchtete aufgenommen. Viele von ihnen kamen zunächst in der Notunterkunft unter, die am 12. März 2022 in Betrieb genommen wurde. „Binnen weniger Tage haben Ehrenamtliche von DRK, Johannitern, Maltesern und DLRG als Bunte Einheit mit vereinten Kräften die Notunterkunft aus dem Boden gestampft. Das war eine großartige Zusammenarbeit, für die wir uns bei allen Beteiligten herzlich bedanken. Dabei galt es vieles zu beachten, etwa die Einrichtung einer separaten Quarantänestation, die Testung auf Corona oder die Einhaltung der Maskenpflicht aufgrund des Infektionsschutzes“, berichtete Elke Bertke. Das Ausstattungsmaterial, vom Feldbett bis zur Bekleidung, wurde über die DRK-Einsatzzüge gestellt. Den Betrieb der Notunterkunft gewährleisteten zu Beginn die ehrenamtlichen Einsatzkräfte. Über 140 Ehrenamtliche leisteten über 6.000 Stunden Arbeit. Mitte April übernahm der Grafschafter Kreisverband des DRK diese Aufgabe hauptamtlich mit rund 50 Mitarbeitenden, darunter Sanitäter, Sprachhelfer, Unterstützungskräfte und Sozialpädagogen.

Der Notunterkunft kam zunächst eine Pufferfunktion zu, mit der der Landkreis die Kommunen mit Blick auf die notwendigen Wohnraumkapazitäten entlastet hat. „In der Spitze sind uns von der Landesaufnahmebehörde 50 Personen pro Woche zugewiesen worden. Zeitweise sind wir an die Kapazitätsgrenze der Notunterkunft gestoßen“, führte Bertke aus. Insgesamt sind in der Notunterkunft 917 Geflüchtete aus der Ukraine aufgenommen worden. Davon waren rund die Hälfte Minderjährige. „Der Großteil der Geflüchteten ist im weiteren Verlauf den Gemeinden zugewiesen worden. Nur wenige sind in andere Landkreise weitergezogen“, so Bertke. Eine besondere Herausforderung sei der Umgang mit den Haustieren der Geflüchteten gewesen. Für Katzen und Hunde wurden kleine Unterkünfte in der Notunterkunft eingerichtet oder es wurden Plätze im Tierheim beschafft. „Besuche im Tierheim haben wir über das DRK organisiert oder auch Videomeetings ermöglicht. Für die traumatisierten Menschen war es sehr schmerzlich, nach dem Verlust ihres Zuhauses, nun auch noch ihr Haustier abzugeben“, sagte Bertke. Vor diesem Hintergrund, aber auch mit Blick auf traumatisierte Kinder, sei es wichtig gewesen, auch eine Sozialpädagogin in der Notunterkunft im Einsatz zu haben, machte Heinz Heetjans vom DRK Kreisverband Grafschaft Bentheim deutlich. Ihm ist trotz all der Schicksale vor allem ein kleines Stück Normalität in Erinnerung geblieben: „Ein besonderer Höhepunkt für alle Geflüchteten war das Sommerfest, zu dem auch ehemalige Bewohnerinnen und Bewohner kamen. Wir haben alle zusammen getanzt und gefeiert.“

Bereits seit Oktober wurde die Notunterkunft Schritt für Schritt zurückgefahren. Neue Geflüchtete wurden dort nicht mehr aufgenommen, sondern direkt den Kommunen zugewiesen. Der Landkreis übernimmt seitdem nur noch die Erstversorgung im Kreishaus und stellt neben notwendigen Unterlagen beispielsweise Hygieneartikel und Lunchpakete bereit. Aktuell kommen nur wenige Geflüchtete in der Grafschaft Bentheim an. Da das Land Niedersachsen mehr Geflüchtete aufgenommen hat, als es müsste, werden weitere Geflüchtete zunächst auf andere Bundesländer verteilt. „Innerhalb Niedersachsens haben wir unser Soll ebenfalls erfüllt. Diese Ruhe ist allerdings trügerisch. Wir warten auf die nächsten Zuweisungen. Größere Gruppenzuweisungen kommen aber wohl nicht vor dem 4. Januar 2023. Derzeit erfolgen nur Einzelzuweisungen mit dem Ziel der Familienzusammenführung“, erklärte Dezernent Gert Lödden. Für die nächsten Ankünfte ist die Grafschaft gerüstet: „Die Gemeinden haben nochmals Wohnraum für Geflüchtete geschaffen. Rund 430 freie Plätze sind momentan vorhanden. Dafür gebührt den Kommunen ein großes Lob.“

Für den Fall, dass sich die Situation wieder verschärfen sollte, werden derzeit Notfalloptionen mit den Kommunen entwickelt. So ist perspektivisch die Schaffung einer Einrichtung geplant, die anderweitig genutzt werden kann und im Notfall kurzfristig als Notunterkunft zur Verfügung steht. „Es zeichnet sich ab, dass sich eine Krise an die nächste Krise anschließt. Hier gilt es, präventive Lösungen vorzuhalten, auch wenn das mit Kosten verbunden ist. Unser Ziel ist es, dass wir künftig nicht wieder Sporthallen schließen müssen“, machte Landrat Uwe Fietzek deutlich. Er sprach abschließend allen ehrenamtlich und hauptamtlich Beteiligten, den Ärztinnen und Ärzten, den Mitarbeitenden der Kreisverwaltung, dem Sicherheitsdienst, dem Catering-Dienstleister und nicht zuletzt den Schulen und Vereinen seinen Dank für ihre Mitarbeit und ihr Verständnis aus: „Diese Krisensituation haben wir bislang gemeinsam gut bewältigt. Auch auf die große Welle der Hilfsbereitschaft unserer Bürgerinnen und Bürger bin ich stolz.“

Text und Foto: Landkreis Grafschaft Bentheim