Rückkehr in die Grafschaft: Neuenhauser Goldfund auf der Burg Bentheim ausgestellt

Einer der bedeutendsten Goldfunde der Grafschaft Bentheim kehrt für einige Wochen in den Landkreis zurück: Der sogenannte Goldbrakteat von Neuenhaus ist bis zum 13. Januar 2023 im Museum im Marstall der Burg Bentheim zu sehen. Neben dem goldenen Becher von Gölenkamp ist der Goldbrakteat einer der Höhepunkte der Ausstellung. Das außergewöhnliche, kunstvoll gestaltete Schmuckstück stammt aus dem späten 6. oder frühen 7. Jahrhundert. Goldbrakteaten wie dieser dienten den frühmittelalterlichen Eliten als Statussymbol und wurden, ähnlich einem Amulett, mit einer Kette oder Schnur um den Hals getragen. Das kaum fünf Zentimeter im Durchmesser große Artefakt ist von landesweiter wissenschaftlicher Bedeutung. Schließlich handelt es sich um einen der ganz wenigen Goldfunde aus jener Zeit in Niedersachsen.

Feinste Goldschmiedekunst aus dem frühen Mittelalter

Die dünne Pressblechscheibe besteht zu rund 80 Prozent aus Gold und zu 17 Prozent aus Silber. Rund ein Viertel der Zierscheibe ist allerdings abgerissen. Der Goldbrakteat weist eine ebenso ungewöhnliche wie aufwändige Form der Verzierung auf und entspricht feinster Goldschmiedekunst aus dem frühen Mittelalter. Im Zentrum des Schmuckstücks befindet sich ein Knotenmuster aus eingepressten, gebogenen und verschlungenen Linien, die mit Perldrähten besetzt sind. Gut zu erkennen sind auch die extrem fein geflochtenen Golddrähte, die das Knotenmuster umkreisen.

Zufallsfund ist in Landeseigentum übergegangen – künftige Ausstellung in Oldenburg

Dass der Goldbrakteat nach hunderten von Jahren überhaupt gefunden wurde, ist dem reinen Zufall zu verdanken. Im Rahmen von ehrenamtlichen Naturschutzmaßnahmen auf einem Maisacker im Neuenhauser Ortsteil Hilten stieß der Neuenhauser Peter Diesner im Mai 2020 auf das ungewöhnliche Stück. Der ehrliche Finder informierte die Fachleute, die das einzigartige Artefakt für die Nachwelt sicherten. Eine spätere Untersuchung des Fundortes mit Metalldetektoren und per Bohrsondage brachte keine weiteren Fundstücke zu Tage.

Wegen der hohen wissenschaftlichen Bedeutung des Fundes hat das Land Niedersachsen das sogenannte Schatzregal angewandt, wodurch der Goldbrakteat Eigentum des Landes geworden ist. Mittlerweile ist der Fund in den Bestand des Niedersächsischen Landesmuseums Natur und Mensch in Oldenburg übergegangen, wo er ab dem kommenden Jahr dauerhaft präsentiert wird. Es werden jedoch auch Repliken angefertigt, die dann auch in der Grafschaft Bentheim ausgestellt werden sollen.

Text und Foto: Landkreis Grafschaft Bentheim