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Soeste erhält durch Renaturierung neuen Flusslauf

Soeste erhält durch Renaturierung neuen Flusslauf / Projekt „Vielfalt in Geest und Moor“ beendet weitere Maßnahme

Landkreis Cloppenburg. Die Renaturierung eines Teilabschnitts der Soeste in Pehmertange ist weitgehend abgeschlossen. Im Landschaftsschutzgebiet „Soestetal zwischen Thülsfelder Talsperre und Friesoythe“ ist ein neuer, kurviger Gewässerverlauf entstanden. Die Maßnahme verbessert die ökologische Qualität der Soeste und stärkt die Verbindung zwischen verschiedenen Lebensräumen.
Bei einem Pressetermin vor Ort stellte Landrat Johann Wimberg das „besondere Projekt“ der Renaturierung vor und wies zur Veranschaulichung auf eine Zeichnung aus einem Bilderbuch aus dem Projekt „Vielfalt in Geest und Moor“ hin. „Auf der einen Seite sehen wir einen begradigten Flusslauf. Auf der nächsten Seite gibt es mehr Wasser, Rückzugsmöglichkeiten, andere Pflanzen, neue Lebensräume und Tiere, die diese Lebensräume annehmen“, erklärte der Landrat und zeigte auf den realen Bereich hinter sich. „Ich finde es schön, dass diese gezeichnete Vorstellung, die wir in Schulen als ideale Gestaltung einer naturnahen Fläche präsentieren, hier nun Wirklichkeit geworden ist.“ Auch die Informationstafeln an der Soeste greifen diese Darstellung auf. Das Projekt solle dazu anregen, über den Umgang mit Natur und Flächen nachzudenken.
„Wir zeigen mit der Umsetzung dieser Renaturierung: Es geht“, betonte der Landrat. „Es handelt sich bei diesen Bildern um ein echtes und greifbares Ziel. Wir können Straßen und Gebäude bauen. Wir können aber auch Lebensräume schaffen und Gewässer naturnäher gestalten.“
Die Soeste verlief auf dem betreffenden Abschnitt bislang auf einer Länge von rund 600 Metern weitgehend geradlinig. Durch die Renaturierung verlängert sich der Gewässerlauf auf etwa 750 Meter. Der kurvige Verlauf bremst die Fließgeschwindigkeit und schafft unterschiedliche Strömungsbereiche. Bei außergewöhnlich großen Wassermengen kann der alte Flußlauf noch weiterhin als zusätzlicher Hochwasserabfluss genutzt werden.
„Und all das hilft am Ende nicht nur Tieren und Pflanzen, sondern auch den Menschen“, so Wimberg weiter. „Die neue Soeste ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich Gewässerschutz, Hochwasserschutz und die Entwicklung der biologischen Vielfalt miteinander verbinden lassen.“
Flache und feuchte Bereiche bieten geeignete Bedingungen für Wiesenvögel. Steilufer können von Uferschwalben und Eisvögeln genutzt werden. Kiesbänke dienen Fischen als mögliche Laichhabitate. Wallheckenstrukturen, Baumstämme und weitere Kleinstrukturen schaffen Rückzugsräume für Kleintiere. Insgesamt wurden rund 1.500 Tonnen Kies eingebaut.
Auch die Durchgängigkeit des Gewässers wurde verbessert. Der bisherige Absturz unter der Brücke ist weitestgehend zurückgebaut worden. Eine dort vorhandene Geschwindigkeitsbremse war nach der Umgestaltung des Gewässerabschnitts nicht mehr erforderlich. Davon profitieren insbesondere Fische und andere Gewässerorganismen.
Alexander Thole, Leiter des Umweltamtes des Landkreises Cloppenburg, stellte diese technischen Einzelheiten des Projekts vor und bezeichnete dieses Projekt ebenfalls als „Bilderbuchmaßnahme“. Die Soeste habe eine zentrale Bedeutung für die Biotopvernetzung. Fließgewässer verbinden Lebensräume, ermöglichen die Verbreitung von Pflanzenarten und bieten zugleich Lebensraum für zahlreiche Tierarten. Die Renaturierung sei damit von herausragender Bedeutung für die Entwicklung des Landschaftsschutzgebietes.
Ein Aussichtspunkt am Rand der Fläche wurde in Abstimmung mit der Stadt Friesoythe geschaffen. Dort können sich Bürgerinnen und Bürger über die Maßnahme informieren und einen Blick auf den neuen Gewässerverlauf werfen. Ein Betreten der Fläche direkt am neu geschaffenen Flusslauf ist aber nicht vorgesehen.
„Mein Dank gilt allen, die an diesem Projekt mitgearbeitet haben“, betonte der Landrat. Die Maßnahme werde von vielen Schultern getragen. Dazu gehörten das Umweltamt des Landkreises, die Projektverantwortlichen von „Vielfalt in Geest und Moor“, die Stadt Friesoythe und die Friesoyther Wasseracht.
Letztere war als zuständiger Wasser- und Bodenverband von Beginn an in die Planung eingebunden und hat die Arbeiten mit eigenen Beschäftigten und Maschinen ausgeführt. „Bei einem Gewässer dieser Bedeutung muss neben der ökologischen Entwicklung auch die Hochwassersicherheit gewährleistet sein“, erläuterte Martin Windhorst, Leiter der Friesoyther Wasseracht. Die Soeste sei an einzelnen Tagen im Jahr mit sehr großen Wassermengen belastet. Für diese Situationen müsse das Gewässersystem hydraulisch leistungsfähig bleiben.
Bereits während der Bauarbeiten entwickelte sich Leben in den neuen Strukturen. Beobachtet wurden unter anderem Schwalben, Libellen und Frösche. Auch größere Fische nutzten bereits den neuen Gewässerabschnitt frühzeitig. In den kommenden Monaten sind noch einzelne Restarbeiten vorgesehen. Dazu gehören weitere Gehölzpflanzungen und der Bau eines Zauns. Die Entwicklung der Fläche wird durch das Umweltamt des Landkreises weiter beobachtet.
Die Gesamtkosten der Maßnahme werden nach aktuellem Stand bei rund 500.000 Euro liegen. Damit bleiben sie deutlich unter der ursprünglichen Kostenschätzung von rund einer Million Euro. Die Finanzierung erfolgt zu 75 Prozent über das Bundesamt für Naturschutz, zu 15 Prozent über das Land Niedersachsen und zu 10 Prozent über den Landkreis Cloppenburg.
Die Renaturierung ist Teil des Projekts „Vielfalt in Geest und Moor“. Das Verbundprojekt der Landkreise Cloppenburg, Emsland, Oldenburg und Vechta sowie der Universität Osnabrück dient der Förderung der biologischen Vielfalt im Projektgebiet „Hotspot 23“. Es wird im Bundesprogramm Biologische Vielfalt gefördert. Die Projektmanagerin Lea Otto nahm ebenfalls an dem Pressetermin teil.

Text: LK Cloppenburg