Statement zur Corona-Krise von Landrat Uwe Fietzek – im Kreistag, 19. März 2020

Liebe Grafschafterinnen, liebe Grafschafter!

Ich wende mich jetzt direkt an Sie.

Wir befinden uns in einer Situation, die bedrohlich ist und deren Bedrohung von Tag zu Tag steigt. Das Tempo der Ausbreitung des Coronavirus ist nach wie vor hoch. Die Zahl der Infizierten steigt und wird weiterhin steigen. Wir sehen das an den Zahlen in der Grafschaft.

Wer auf Italien, Spanien, Frankreich etc. blickt, weiß, welche Ausmaße sich ankündigen. Wer auf die Wissenschaftler hört, weiß, welche Schritte und Maßnahmen noch kommen können.

Die Lage ist sehr ernst! Wir tuen heute und morgen das, was wir gestern und vorgestern selbst noch als unmöglich erachtet haben. Wir sind jetzt in einer Phase, in der wir das gewohnte Leben und unsere Bewegungsfreiheit massiv einschränken – Schritt für Schritt der Situation anpassend.

Ja, jede Einschränkung tut weh! Wir müssen unseren Kleinsten erklären, warum sie nicht mehr zur Kita oder auf den Spielplatz dürfen. Wir müssen uns selbst zurücknehmen, unsere Eltern oder Großeltern in Heimen und Pflegeeinrichtungen nicht mehr zu besuchen. Wir spüren die Einschnitte in unseren Berufen – manche – wie Gewerbetreibende, Freiberufler, Beschäftigte – so sehr viel stärker als andere.

Mit jedem Tag verschieben sich die Maßstäbe. Was ist richtig, was ist verzichtbar angesichts dieser Situation? Schreien wir zu laut „Alarm“ … oder sind wir zu zögerlich? Überhaupt: wie schnell geht das alles … oder doch zu langsam?

Wir alle ahnen oder wissen: es werden weitere Einschränkungen kommen! Als Landrat denke ich: das schrittweise Herunterfahren oder Herunterdimmen ist sinnvoll als der harte Schnitt. Wir benötigen die Zwischenphasen, um andere Strukturen hochzufahren – sei es in der medizinischen und pflegerischen Versorgung, sei es in der allgemeinen Versorgung.

Liebe Bürgerinnen und Bürger,

ich habe angeordnet, dass auch der Katastrophenschutzstab langsam hochgefahren wird. Seit gestern ist die Kernbesetzung bei der Arbeit. Ich habe den Katastrophenfall noch nicht ausgerufen. Aber, das will ich offen sagen: Dieser Schritt kann bald eintreten. In Bayern ist er flächendeckend bereits in Kraft.

Seit mehr als 14 Tagen ist im Kreishaus ein Corona-Stab – seit einer guten Woche beinahe rund um die Uhr – im Einsatz. Seit 14 Tagen gibt es ein täglich geschaltetes Bürgertelefon.

Von Ihnen und von uns allen wird in diesen Zeiten viel gefordert! Vor allem der weitgehende Verzicht auf soziale Kontakte verlangt uns viel ab. Aber: Wer jetzt noch ohne triftigen Grund unter Menschen geht, schadet allen. Aufläufe, Parties und ähnliche Ansammlungen sind nicht mehr angesagt. Bleiben Sie alle soweit es irgend geht zuhause.

Es ist eine neue Zeit der Achtsamkeit. Achten Sie auf sich, aber auch auf andere. Helfen Sie jenen, die schwächer sind als Sie. Denken Sie an ihre älteren Nachbarn, an Alleinerziehende, an Arme und Obdachlose, an Pflegebedürftige. Sie leiden unter den Einschränkungen stärker als andere. Denken Sie auch an jene, die in dieser Zeit so viel Verantwortung auf sich nehmen müssen: an die Ärzte, die Pflegekräfte, die Polizisten, die Bauern, die Supermarktkassiererinnen. Sie können nicht zuhause blieben oder Homeoffice machen …

Als Landrat bin ich stolz, wenn ich sehe, wie in Facebook Menschen anderen ihre Hilfe bei Einkäufen anbieten, Vereine sich für solche Zwecke kreative Lösungen überlegen.

Es wird nicht alles rund laufen. Aber wir lernen alle dazu – und ich bin mir sicher: wir lernen schnell!

Wir haben eine gemeinsame Verantwortung. Es liegt an uns, damit gut umzugehen.

Aber ich mir sicher:

Wir Grafschafterinnen und Grafschafter stehen zusammen – mit Anstand, aber auch mit Abstand!

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

Bild: Facebook Profil Landrat Fietzek