Trotz großer Einbußen blickt Zoochef optimistisch in die Zukunft

Trotz großer Einbußen blickt Zoochef optimistisch in die Zukunft – Bereits 6 frustrierende Monate ohne Zoobesucher

Mittlerweile fast ein halbes Jahr konnte der Tierpark Nordhorn seit dem 1.
Lockdown im März 2020 keine Gäste empfangen. Ein Blick auf die Zahlen
verdeutlicht, wie sehr der Familienzoo von den Auswirkungen der behördlichen
Schließung infolge der Coronapandemie getroffen ist.
40 % weniger Besucher kamen im vergangenen Jahr in den Zoo am Heseper
Weg. Fast die Hälfte seiner Besuchereinnahmen sind dem Tierpark durch die
Schließung weggebrochen. Damit fehlen rund 2 Millionen Euro an
besucherabhängigen Einnahmen in der Tierparkkasse. Ein sehr harter Schlag,
da sich der Nordhorner Zoo als einer der ganz wenigen wissenschaftlich
geführten Zoos in Deutschland fast ausschließlich aus eigenen Einnahmen
finanziert.

Auch im Bereich der Zooschule sind die Zahlen stark eingebrochen. Statt wie
sonst 750 Gruppen mit fast 15.000 Teilnehmern konnten im vergangenen Jahr
nur rund 300 Gruppen mit gerade einmal 3.000 Teilnehmern an den
Bildungsangeboten des außerschulischen Lernortes teilnehmen.
„Der Tierpark ist wirtschaftlich stark aufgestellt und konnte so zu Beginn der
Pandemie sofort aus eigener Kraft gegensteuern. Dies hat uns die notwendige
Zeit gegeben, langfristig reagieren zu können!“ so Tierpark-Geschäftsführer
Dr. Nils Kramer. „Sehr geholfen hat uns dann vor allem die Unterstützung
durch die Gesellschafter und die Tierpark-Fans. Die große Welle der
Hilfsbereitschaft ist fantastisch!“

In allen Kostenstellen hat der Tierpark durch seinen strikten Sparkurs große
Einsparungen erzielen können, um die fehlenden Einnahmen zu kompensieren.
Nur im Personalbereich sind die Einsparungen bewusst nicht
zusammengestrichen worden. Zwar wurde und wird natürlich auch das
Instrument Kurzarbeit genutzt, aber erstens war es erklärtes Ziel des Tierparks
beim Tierparkteam möglichst wenig Abstriche machen zu müssen und zweitens
läuft die Arbeit im Tierpark in vielen Abteilungen natürlich auch ohne Besucher
weiter. Die Tiere müssen schließlich versorgt werden.

Sämtliche für 2020 geplanten Investitionen wurden erst gestoppt und dann
umgestrickt. „Wir haben das Geld statt in Gebäude in unsere Tiere und das
Team investiert. Baustellen stehen in einer solchen Situation einfach hinten
an.“ so Kramer.
Fast die Hälfte der Verluste konnten zum Glück durch diese Maßnahmen aus
eigener Kraft aufgefangen werden. Angesichts der gesamten Einnahmeausfälle
reicht dies natürlich nicht aus und ein Teil der Ausgaben, wie erforderliche
Reparaturen, ist auch nur verschoben.
Das oberstes Gebot in Punkto Ausgaben war dabei immer im Hinterkopf: „Wir
können unsere Tiere weder in Kurzarbeit noch ins Homeoffice schicken! Ihre
Versorgung hat zu jeder Zeit oberste Priorität!“ so Zoodirektor Kramer. „Im
Gegenteil, durch den Mehraufwand der Hygienemaßnahmen steigen die Kosten
deutlich, statt zu sinken.“

Große Unterstützung

Aber in der Coronakrise gibt es auch Gründe zur Hoffnung für den Tierpark,
allen voran durch die große Zahl der Unterstützer. Die Kampagne „#Wir sind
Zoo – gemeinsam mit dem Tierpark Nordhorn“ des Fördervereins hat dabei
besonders geholfen. Die Zahl der Tierpaten hat sich mit jetzt deutlich über
1.300 abgeschlossenen Patenschaften mehr als verdreifacht. Zudem konnte
der Förderverein bereits zahlreiche Geldspenden entgegennehmen.
Ganz besonders freut der Förderverein sich natürlich über die rund 100 neuen
Mitglieder, die sich während der Pandemie entschlossen haben, den Tierpark
als Mitglieder im Förderverein durch diese Krise zu helfen. Über 500 Mitglieder
bekennen sich nun schon dauerhaft zu ihrem Tierpark, freut man sich im
Förderverein.

„Diese Unterstützung tut dem ganzen Team moralisch einfach richtig gut und
hilft natürlich auch finanziell! Wir brauchen diese Unterstützung wirklich
dringend!“ so der Zoodirektor.
Jede Unterstützung ist dem Tierpark dabei herzlich willkommen, sei es durch
die Übernahme einer Tierpatenschaft, als neues Mitglied im Förderverein oder
wenn dieser mit einer Spende oder im Testament bedacht wird.
Auch die Gesellschafter Stadt Nordhorn und der Landkreis haben den Tierpark
zu Beginn der Pandemie schnell unterstützt. Mit einem Gesellschafterdarlehen
konnte die Liquiditätslage des Tierparks entscheidend verbessert werden. Die
Unterstützung in Politik und Verwaltung für Niedersachsens drittgrößten Zoo
war dabei parteiübergreifend einvernehmlich groß.

Coronahilfen lassen weiter auf sich warten

Die Unterstützung aus der Region ist auch deshalb so wichtig, weil der Tierpark
bei allen im Sommer aufgelegten Hilfspaketen leer ausgegangen ist. „Ohne die
Unterstützung aus der Region sähe unsere Situation ganz anders aus! Wir
waren entweder zu groß, zu klein, zu öffentlich oder zu gemeinnützig für die
Coronahilfen. Irgendein Grund gab es immer, warum wir keine Gelder
beantragen konnten!“ resümiert der Geschäftsführer.
Erst mit der „Zoohilfe Niedersachsen“ hat das Land im Sommer ein Programm
geschaffen, dass dieser Tatsache Rechnung getragen hat und aus dem auch
der Tierpark Nordhorn Gelder erhalten konnte. „Wir sind froh, dass die
Landespolitik erkannt hat, dass die Zoos für die meisten Hilfsprogramme gar
nicht antragsberechtigt waren und hier für den ersten Lockdown Abhilfe
geschaffen hat!“ so die kaufmännische Leiterin Karin Schleper. „Wir hoffen
auch für den zweiten Lockdown auf entsprechende Unterstützung!“

Konkret hofft der Tierpark nun auf die „November- und Dezemberhilfe“ des
Bundes. „Damit könnten wir wenigstens noch einen Teil der Verluste des
letzten Jahres ausgleichen!“ hoffen Kramer und Schleper und verweisen auf
den ausgefallenen Weihnachtsmarkt im Tierpark, der sonst rund 50.000
Menschen anlockt.
Ab Januar sieht es derzeit düster aus bezüglich finanzieller Entschädigungen
für die behördlich angeordnete Schließung. Für die sogenannte
„Überbrückungshilfe III“, auf die alle Stellen immer gerne verweisen, ist der
Tierpark nicht antragsberechtigt. „Hier sind die Hilfsprogramme des Bundes
schlichtweg unzureichend, der Tierpark hat wie viele anderen Zoos keine
Möglichkeit der Antragstellung,“ so Karin Schleper. „Hier muss dringend
nachgebessert werden!“
Trotz alledem verzagt man im Nordhorner Familienzoo nicht, sondern krempelt
die Ärmel hoch und besinnt sich auf die eigenen Stärken um diese
Herausforderung zu bewältigen. „Natürlich macht es finanziell trotzdem einen
deutlichen Unterschied, ob wir eine Coronahilfe bekommen oder die
Herausforderung ganz aus eigener Kraft weiter stemmen müssen!“ so Dr. Nils
Kramer. „Enorm wichtig ist für uns jetzt ein halbwegs verlässliches
Öffnungsszenario. Einen heruntergefahrenen Zoobetrieb kann man nicht von
heute auf morgen wieder öffnen!“

Dabei sieht sich der Tierpark Nordhorn für eine Öffnung grundsätzlich gut
aufgestellt. „Selbstverständlich muss die Pandemielage eine Öffnung erstmal
hergeben!“ stellt der Tierparkleiter klar. „Mit unseren zwölf Hektar Fläche an
der frischen Luft und dem bereits im Sommer erprobten Hygienekonzept sind
wir für die Öffnung aber gut gerüstet! Der Zoobesuch hat auch eine wichtige
gesellschaftliche Funktion.“
Denn gerade die Öffnung nach dem ersten Lockdown habe gezeigt, wie wichtig
der Tierparkbesuch insbesondere für die Kinder war, die so unter kontrollierten
Bedingungen ein Stück Normalität erleben konnten.

Neues für den Besucher

Umso mehr freut sich der Zoodirektor, dass der Tierpark für die Besucher
durchaus das ein oder andere Neue bei der Eröffnung zu bieten hat. Corona
hat im Bauplan zwar alles durcheinandergeworfen, aber dennoch hat sich die
Tierparkmannschaft bemüht, den Tierpark weiter zu entwickeln. „Wir haben
ganz anders gebaut, als Anfang 2020 geplant! Aber auch ohne große Ausgaben
hat das Team viel geschafft, auf das sich der Besucher freuen kann!“
Beim „Walderlebnispfad“ entlang der Einfahrt des Parkplatzes werden im
Moment die letzten Arbeiten erledigt. Hierdurch werden PKW-Verkehr und
Fußgänger zukünftig stärker entflochten und der Weg zum Zooeingang dadurch
sicherer gemacht. Auch die alte Schimpansenanlage ist mittlerweile vollständig
verschwunden und die tierparkeigenen Handwerker konnten angefangene
Baustellen, wie die historische Schmiede, die gastronomischen Giebelfassaden
und das Bentheimer Landschweinhaus mittlerweile fast fertig stellen.
Auch im Tierbestand soll es zur Wiedereröffnung ein paar Veränderungen
geben. „Wir hoffen, zum Start die ein oder andere neue Tierart präsentieren zu
können!“ schmunzelt der Direktor. „Denn eins dürfen wir nicht vergessen,
Corona dominiert im Moment alles, aber Corona ändert nichts an der
Wichtigkeit unseres Auftrages Artenschutz!“

Langsam zurück zu einem Zoo mit Besuchern

Auch die Zoomitarbeiter sehen mit Freude die Fortschritte, die in der
Pandemiebekämpfung Stück für Stück erreicht werden. Der Besucherzuspruch
zwischen den beiden behördlichen Schließungen hat gezeigt, wie groß die
Sehnsucht der Menschen nach einem Besuch ihres Tierparks ist. Deshalb blickt
Zoodirektor Dr. Nils Kramer auch optimistisch in die Zukunft. „Wir freuen uns
auf diese Zeit und bereiten alles dafür vor, dass die Besucher ihren Tierpark
dann neu entdecken können! Im Augenblick hoffen wir deshalb auch ganz
stark auf weitere Unterstützung!“
Eine Übersicht über die Möglichkeiten der Unterstützung finden Sie hier:
www.tierpark-nordhorn.de/wir-sind-zoo-unterstuetzung-fuer-den-tierpark/

Fotos: Franz Frielimng

Text: Tierpark Nordhorn