Vorbeugen, erkennen, unterstützen: FASD im Fokus
Fachkräfte aus Medizin und Jugendhilfe tauschen sich in Meppen über Prävention
und Hilfsangebote aus
Meppen. Alkoholkonsum in der Schwangerschaft kann lebenslange Folgen für Kinder
haben. Bei einer Fachfortbildung der Hebammenzentrale des Landkreises Emsland
informierten sich knapp 80 Teilnehmende aus verschiedenen Fachrichtungen über Fetale
Alkoholspektrumstörungen (FASD), Prävention und konkrete Unterstützungsangebote.
Zahlreiche Fachkräfte aus dem Gesundheitswesen, der Kinder- und Jugendhilfe sowie
angrenzenden Arbeitsfeldern beschäftigten sich intensiv mit den Auswirkungen von
Alkoholkonsum in der Schwangerschaft. Fetale Alkoholspektrumstörungen gelten als häufigste
Ursache für nicht-genetisch bedingte intellektuelle Beeinträchtigungen. Alkohol während der
Schwangerschaft kann zu einer Vielzahl dauerhafter Entwicklungsstörungen führen, die sich
körperlich, kognitiv und sozial bemerkbar machen. Um betroffenen Kindern bestmögliche
Entwicklungschancen zu eröffnen, sind eine frühzeitige Erkennung, eine differenzierte Diagnostik
sowie passgenaue Förder- und Unterstützungsangebote von zentraler Bedeutung.
Als Referent konnte Dr. Johann Böhmann, ehemaliger Chefarzt der Klinik für Kinder- und
Jugendmedizin in Delmenhorst sowie Gründer des Vereins „Gesundheit im Kindesalter e.V.“ und
des Delmenhorster Instituts für Gesundheitsförderung (DIG), gewonnen werden. In seinem
fundierten und praxisnahen Vortrag beleuchtete er medizinische Hintergründe, typische
Erscheinungsformen sowie diagnostische Herausforderungen. Zudem stellte er präventive
Ansätze und konkrete Unterstützungsangebote vor. Dabei machte er deutlich, dass FASD noch
immer häufig unerkannt bleibt und betroffene Kinder ohne gezielte Förderung erheblich
benachteiligt sind.
„FASD ist vollständig vermeidbar – und dennoch sind viele Kinder betroffen, weil das
Bewusstsein für die Risiken von Alkohol in der Schwangerschaft noch immer nicht ausreichend
2
ausgeprägt ist. Prävention beginnt mit Aufklärung. Gleichzeitig müssen wir sicherstellen, dass
betroffene Familien frühzeitig die Unterstützung erhalten, die sie benötigen“, betont
Sozialdezernentin Dr. Sigrid Kraujuttis.
Im Anschluss an den Fachvortrag nutzten die Teilnehmenden die Gelegenheit zum intensiven
fachlichen Austausch und zur Diskussion. Besonders hervorgehoben wurde die Bedeutung einer
engen interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Medizin, Beratungsstellen, Jugendhilfe und
Bildungseinrichtungen, um eine nachhaltige Förderung betroffener Kinder sicherzustellen.
Die Veranstaltung wurde von der Ärztekammer mit drei Fortbildungspunkten anerkannt und
unterstrich die hohe Relevanz des Themas für die Praxis. Mit der Fortbildung setzte die
Hebammenzentrale des Landkreises Emsland einen wichtigen Impuls, um Sensibilität,
Fachwissen und Vernetzung rund um das Thema FASD weiter zu stärken und die
Lebenssituation betroffener Kinder nachhaltig zu verbessern.

sowie Dr. Thomas Niehoff und Anja Henkel-Günsche vom Fachbereich Gesundheit zeigten sich
erfreut über das große Interesse der Teilnehmenden (Foto: Landkreis Emsland)
Text: LK Emsland
