Wolfgang Pinkernell mit dem Feuerwehrehrenzeichen am Bande ausgezeichnet
Kreisfeuerwehr Emsland setzt auf moderne und praxisnahe Ausbildung – Land verlagert immer mehr Lehrgänge auf Kreisebene – Wolfgang Pinkernell mit dem Feuerwehrehrenzeichen am Bande ausgezeichnet
Von Lambert Brand
Sögel. Im Rahmen der Kreisausbildertagung der Kreisfeuerwehr Emsland in der Feuerwehrtechnischen Zentrale (FTZ) Sögel ist erneut deutlich geworden, welchen hohen Stellenwert die Ausbildung im Landkreis genießt. Insgesamt 96 Ausbilderinnen und Ausbilder engagieren sich derzeit in der Kreisausbildung – ehrenamtlich und zusätzlich zu ihrem regulären Feuerwehrdienst.
Die Kreisausbildungsleiter (KAL) Frank Burrichter und Florian Bethke betonten, dass das Team in Kürze weiter verstärkt werde: Drei Hospitanten stehen bereits in den Startlöchern, zwölf Feuerwehrleute haben darüber hinaus ihr Interesse bekundet, in diesem Jahr in der Kreisausbildung zu hospitieren. „Das zeigt, dass die Bereitschaft groß ist, Verantwortung zu übernehmen und Wissen weiterzugeben“, so Burrichter.
Für das laufende Jahr sind zahlreiche Lehrgänge in den FTZ Sögel und Lingen sowie im Feuerwehrhaus Emsbüren geplant. Im Rahmen der kürzlich eingeführten Modularen Grundausbildung (MGA) sind die Qualifikationsstufen QS 1 und QS 2 als Eingangslehrgänge vorgesehen. Darauf aufbauend folgt die QS 3 als Truppführer-Lehrgang. Darüber hinaus werden Atemschutzgeräteträger, Maschinisten und Sprechfunker ausgebildet. Auch Spezialkräfte für den CBRN-Bereich (Abwehr chemischer, biologischer, radiologischer und nuklearer Gefahren) werden geschult. Ein besonderes Highlight stellt das seit Jahren laufende Fahrsicherheitstraining auf der Teststrecke der ATP Papenburg dar. Ab 2026 sollen dort Fahrerinnen und Fahrer von Mannschaftstransportwagen, Kommandowagen sowie Großfahrzeugen gezielt geschult werden. „Gerade im Bereich der Einsatzfahrten ist höchste Sicherheit unerlässlich“, heißt es aus der Kreisfeuerwehr.
Ein Blick auf das vergangene Jahr unterstreicht die Leistungsfähigkeit der Kreisausbildung: In 44 Lehrgängen wurden 901 Teilnehmerinnen und Teilnehmer geschult. Die Ausbilderinnen und Ausbilder leisteten dabei insgesamt 5.447 Stunden – mehr als in den Vorjahren. Zufrieden zeigte man sich auch mit den Investitionen des Landkreises in Ausstattung und Infrastruktur.
Der zuständige Dezernent des Landkreises Emsland, Kreisrat Christoph Exeler, der gemeinsam mit Christoph Polke (Abteilungsleiter Feuerwehr & Katastrophenschutz) an der Tagung teilnahm, dankte den Ausbilderinnen und Ausbildern ausdrücklich für ihr ehrenamtliches Engagement. „Was hier geleistet wird, ist alles andere als selbstverständlich“, betonte er. Die Verlagerung von Lehrgängen durch die Landesfeuerwehrschulen auf die Kreise sei zwar mit erheblichem Aufwand verbunden. „Wir bekommen das mit unseren Mitteln hin“, zeigte sich Exeler optimistisch.
Das Ende vergangenen Jahres verabschiedete Brand- und Katastrophenschutzkonzept des Landkreises sieht vor, auch die Ausbildung weiter zu optimieren und dauerhaft an zwei Standorten – in Sögel und im Raum Lingen – durchzuführen. Für Lingen wird derzeit eine neue FTZ geplant, um der Ortsfeuerwehr mehr Raum zu geben. Bei der Standortwahl spielen die Erreichbarkeit für Auszubildende und die Nähe als Servicestelle für Fahrzeuge, Ausrüstung und Geräte eine zentrale Rolle.
Kreisbrandmeister Holger Dyckhoff zog eine positive Bilanz des neuen Ausbildungskonzepts, das seit einem Jahr erprobt wird. „Wir können von einer modernen Kreisausbildung sprechen“, sagte er. Gleichzeitig müsse die Ausbildung künftig noch stärker praxisorientiert gestaltet werden. „Wir müssen immer wieder neu und moderner denken.“ Geplant ist unter anderem eine Anpassung des Schlauchkonzepts: Schläuche im Innenangriff sollen künftig andere Leistungsstufen und Farbkennzeichnungen erhalten als solche zur reinen Wasserversorgung. Auch im Bereich Atemschutz stehen Veränderungen an. Künftig müssen sämtliche Komponenten eines Atemschutzgerätes vom gleichen Hersteller stammen. Zudem wird die Reinigung der Atemschutzgeräte in absehbarer Zeit zentral in der FTZ erfolgen, um eine sichere Dekontamination zu gewährleisten.
Deutliche Kritik äußerte Dyckhoff am Land Niedersachsen: Für rund 3.000 Feuerwehrleute im Emsland seien vom Niedersächsischen Landesamt für Brand- und Katastrophenschutz (NLBK) im technischen Bereich zuletzt lediglich sieben Lehrgangsplätze bereitgestellt worden. „Wir kommen an unsere Grenzen und können nicht alles auffangen“, so der Kreisbrandmeister. Führungslehrgänge seien genügend angeboten worden.
Personelle Veränderungen wurden ebenfalls bekanntgegeben: Der bisherige Regierungsbrandmeister Matthias Röttger legt sein Amt nieder. Nachfolger wird der bisherige Abschnittsleiter und Verbandsvorsitzende Andreas Wentker aus Lingen. Mit Lena Leigers aus Haselünne konnte zudem eine neue Fachberaterin für Brandschutzerziehung gewonnen werden, die künftig helfen wird, bundes- und landesweite Konzepte im Emsland umzusetzen.
Im Rahmen der Tagung wurden mehrere Feuerwehrmitglieder geehrt: Thomas Giese (Ortsfeuerwehr Spelle) für zehn Jahre, Daniel Herbers (Ortsfeuerwehr Lingen) und Thomas Schmidt (Ortsfeuerwehr Lingen) für jeweils 20 Jahre sowie Wolfgang Pinkernell (Ortsfeuerwehr Haren) für 25 Jahre Dienstzeit. Pinkernell erhielt zudem das Feuerwehrehrenzeichen am Bande des Landes Niedersachsen. Befördert wurde Frank Burrichter (Ortsfeuerwehr Beesten) zum Oberbrandinspektor. Neu in der Ausbilderfunktion ernannt wurden Vanessa van der Pütten (Ortsfeuerwehr Surwold) für den Bereich Atemschutzausbildung, Christoph Loose (Ortsfeuerwehr Schapen) für die Maschinistenausbildung sowie Matthias Dust (Ortsfeuerwehr Baccum) für das Fahrsicherheitstraining.
Mit etwas Wehmut wurde Hans-Jürgen Krüger (Ortsfeuerwehr Hilkenbrook) verabschiedet. Er hat über 30 Jahre die Ausbildung geprägt und war 15 Jahre als Kreisausbildungsleiter tätig. „Uns verlässt ein Original“, würdigte Exeler sein Engagement. Ganz verabschiedet sich Krüger jedoch nicht: In der Atemschutzübungsstrecke wird er weiterhin Lehrgänge begleiten.
In der Neufassung der Niedersächsischen Feuerwehrverordnung (FwVO) ist die Einführung neuer Bekleidung sowie neuer Dienstgrade und Dienstgradabzeichen geregelt. Die Kreisausbildenden wurden entsprechend in die neuen Dienstgrade übergeleitet und erhielten ihre neuen Abzeichen. Zum Abschluss dankten die Kreisausbildungsleiter Frank Burrichter und Florian Bethke dem Landkreis für die Unterstützung und zeigten sich erfreut über die volle Rückendeckung durch die Kreisfeuerwehrführung.




Foto: Kreisausbilder und Lambert Brand
