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Zählen, Wiegen, Schätzen – Jährliche Inventur im Tierpark Nordhorn

Egal ob klein oder groß, zwei, vier, sechs, acht Beine oder mehr – einmal im Jahr
müssen alle Tiere ran
Zählen, messen, wiegen – Zum Jahreswechsel sind auch im Tierpark Nordhorn alle Tiere
dran. Die Inventur, ein Vorgang, den man aus dem Supermarkt oder anderen Geschäften
zum Jahreswechsel kennt, findet auch in einem Zoo statt. Über mehrere Tage wird von den
Tierpflegern der gesamte Tierbestand gezählt, zum Teil auch gemessen und gewogen.
Gleichzeitig werden die Bestandslisten dabei durch die beiden Kuratoren Dr. Heike Weber
und Dr. Dirk Wewers auf Aktualität überprüft. Insgesamt 2605 Tiere in 104 Arten konnten sie
am Ende in die Inventurlisten eintragen.
„Bei großen Tieren wie unserem Wappentier, dem Waldbison, ist das Zählen sehr einfach!“,
so Dirk Wewers. „Anders sieht das bei Tierarten aus, die in großer Stückzahl vorkommen“,
schmunzelt der Kurator. Bei Schwarmtieren, wie den Wellensittichen, in einer großen
begehbaren Voliere ist es mitunter schwierig die genaue Anzahl zu ermitteln. Auf Gewichte
wird hier selbstverständlich ganz verzichtet. Die Tierpfleger arbeiten in der Voliere mit
mehreren zusammen, um auf möglichst genaue Schätzungen zu kommen – mit etwa 600
Wellensittichen bilden die kleinen Papageien auch 2025 die mitgliederstärkste Art im
Familienzoo. Auf Platz zwei befinden sich mit einigem Abstand die Sungaya-
Gespenstschrecken, von denen etwa 350 in den Terrarien leben. Den ersten Platz bei den
Säugetieren belegen auch in diesem Jahr wieder die Bentheimer Landschafe mit exakt 100
Tieren.
Die gesammelten Daten werden von Kurator Dirk Wewers zusammenfügt und der Direktion
und den Behörden gemeldet. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Zahl der Tierarten im
Tierpark Nordhorn nicht wesentlich verändert. Daher bleibt der Sprachgebrauch des Zoos
bei 2.500 Tieren in mehr als 100 Arten.
Aber es gab im Jahr 2025 ein paar Veränderungen im Artenbestand. Als neue Bewohner des
Tierparks sind beispielsweise die Dreistreifen-Baumsteiger und die Sandregenpfeifer zu
nennen. Die zu den Pfeilgiftfröschen zählenden, farbenfrohen Dreistreifen-Baumsteiger
lebten zwar schon 2024 im Tierpark – allerdings ausschließlich hinter den Kulissen. Nun
haben einige von ihnen im vergangenen Jahr ein reich strukturiertes Terrarium im
Amphibienhaus gegenüber der Seehundanlage bezogen. Trotz ihrer auffälligen Färbung sind
die kleinen Fröschchen nicht immer leicht in dem aufwendig gestalteten Becken
auszumachen. Doch regelmäßig verraten sich die kleinen Amphibien durch ihre recht lauten,
trillernden Rufe.
Gänzlich neu im Tierpark sind die niedlichen Sandregenpfeifer – eine zu den Watvögeln
zählende Vogelart. Auch in Deutschland ist der „maskierte Regenpfeifer“ heimisch. Durch
den Verlust von sandigen und kiesreichen Küsten- und Flussufern, die in vielen Teilen durch
den Menschen übernutzt werden, findet der Küstenvogel kaum noch ruhige Bereiche für
seine Brut und gilt deutschlandweit als vom Aussterben bedroht. Unser Brutpaar stammt aus
dem Zoo Dresden und wird in Kürze in der Watvogelanlage zu sehen sein.
„Bedeutende Veränderungen gab es 2025 in unserem Raubtierbestand“, so Kurator Dirk
Wewers. „Nachdem wir im Jahr 2024 unseren letzten Wolf-Senior verabschieden mussten,
wurde die Wolfsanlage renoviert und erweitert. Daraufhin sind im vergangenen Frühjahr zwei
junge Wölfe aus Hessischen Tierparks bei uns eingezogen,“ berichtet Wewers. „Somit ist
nach kurzer Abwesenheit diese spannende Tierart wieder zurück im Tierpark Nordhorn. Ove
und Odine, so die Namen der zwei Wölfe, unterstützen uns in der Bildungsarbeit dabei, das
Thema „Wolf“ für unsere Besucher faktenorientiert zu beleuchten.“ So belebt das
Wolfsgehege nun seit einigen Monaten wieder ist, so leer ist derzeit noch die
Leopardenanlage. Unser Amurleopard Baikal ist im vergangenen Jahr vorübergehend in den
tschechischen Zoo in Olomouc umgezogen, um dort für Nachwuchs zu sorgen. Mit diesem
„Liebesurlaub“ unseres Katers entsprechen wir dem Wunsch des Europäischen
Erhaltungszuchtprogramms (EEP), das die Zucht der verbliebenen 88 Amurleoparden in den
europäischen Zoos koordiniert. In Anbetracht dessen, dass es im Freiland nur noch knapp
über 100 dieser wunderschönen Großkatzen gibt, ist deren Erhalt in menschlicher Obhut von
größter Bedeutung. Aus diesem Grund baut der Tierpark momentan an einem neuen
Gehege für die Amurleoparden, welches im Frühjahr 2027 fertiggestellt werden soll.
Ob es nach Ablauf des neuen Jahres bei der Anzahl der Tiere bleibt, hängt von
verschiedenen Faktoren ab. Zum einen von der Vermehrungsrate einiger Arten, aber auch
vom Tausch einzelner Tiere mit anderen wissenschaftlich geführten Zoos in Europa.
Besonders bei den Arten, für die es Erhaltungszuchtprogramme im Rahmen des ex-situ-
Artenschutzes gibt, entscheiden zum Teil Zuchtbuchführer darüber, ob bestimmte Tiere mit
anderen Zoos getauscht werden, um so einen stabilen und gesunden Tierbestand für
mögliche Auswilderungsprojekte aufzubauen oder zu erhalten. Neben der Attraktivität für die
Besucher, den Haltungsansprüchen, die gewährleistet sein müssen und nicht zu vergessen
den Kosten für Gehegebau, Haltung und Fütterung ist natürlich der Gefährdungsstatus ein
wichtiger Punkt bei der Auswahl von Tierarten, für die sich der Tierpark Nordhorn
entscheidet. „Daher sind wir besonders stolz, den Besuchern mittlerweile 17 Tierarten
präsentieren zu können, die in einem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP) des
Europäischen Zooverbandes EAZA geführt werden“, erläutert Zoodirektor Dr. Nils Kramer.
Dazu gehören neben den Amurleoparden auch Europäische Wölfe, Europäische Wildkatzen,
Seehunde, Zweifinger-Faultiere, Totenkopfaffen, Kafue-Litschi-Wasserböcke, Vietnam-
Sikahirsche, Azara-Agutis, Marabus, Rotschenkel, Gänsegeier, Waldrappe, Schneeeulen,
Habichtskäuze, Blaulatzsittiche und die Europäischen Sumpfschildkröten. Ein besonderer
Schwerpunkt im Tierpark Nordhorn sind die bedrohten Nutztierrassen, wie z.B. das Bunte
Bentheimer Schwein. Auch hier beteiligt sich der Tierpark aktiv an der Erhaltungszucht und
engagiert sich in vielen Zuchtbüchern zum Schutz dieser bedrohten Rassen.
Fotos (Franz Frieling): Die Dreistreifen-Baumsteiger haben ihr neues Terrarium im
Amphibienhaus bezogen. Trotz ihrer auffälligen Zeichnung sind die Fröschchen nur sehr
schwer in dem reich strukturierten Gehege zu entdecken.

Text: Tierpark Nordhorn

Foto: Franz Frieling