10 Jahre ehrenamtlicher Einsatz für Migranten – Integrationslotsen kommen zu kreisweitem Netzwerktreffen zusammen

Lingen. Etwa 60 Integrationslotsen waren der Einladung des Landkreises Emsland zu einem kreisweiten Erfahrungsaustausch in Lingen gefolgt. Landrat Reinhard Winter erinnerte an die Anfänge des Netzwerks: „Im Juni 2007 haben wir in einer Auftaktveranstaltung im Kreishaus in Meppen das Projekt offiziell ins Leben gerufen. Seitdem widmen sich die Integrationslotsen dem Ziel, die Integration zu verbessern und neu zugezogene Menschen insbesondere bei ihren ersten Schritten in der neuen Heimat zu begleiten“.

Befähigt werden die Integrationslotsen dazu durch eine etwa 50 Unterrichtsstunden umfassende Schulung, in der u. a. interkulturelle Kompetenzen und Informationen zum Ausländerrecht vermittelt werden. In die Schulung werden die lokalen hauptamtlichen Akteure eingeladen, um das Netzwerk aus Ehrenamt und Hauptamt auszubauen.

Während der Veranstaltung sprach Dr. Katherine Braun vom Institut für Migrationsforschung und interkulturelle Studien der Universität Osnabrück zum Thema „Flüchtlingspolitische Initiativen als Orte aktiver Bürgerschaft, kollektiver Konfliktaustragung und demokratischer Bildungsprozesse“. Sie schilderte erste Ergebnisse des Forschungsprojekts „Willkommenskultur und Demokratie in Deutschland“, in dem in sechs deutschen Großstädten Willkommensinitiativen in den Teilbereichen „Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten“, „Schutz- und Empowermentkonzepte für geflüchtete Frauen“ und „Alltagsunterstützung von Geflüchteten“ untersucht werden. Demnach seien die in diesen Bereichen engagierten Ehrenamtlichen „nicht weniger, aber leiser geworden“, sagte sie. Zudem seien die lokal gemachten Erfahrungen mit Migration von zentraler Bedeutung, denn der verallgemeinernde Diskurs über Flüchtlinge werde damit aufgebrochen und Vorurteile in Frage gestellt.

Sie äußerte ebenfalls die Beobachtung, dass ehrenamtliches Engagement zur Erstintegration der Geflüchteten politischer werde. Insofern könnten Ehrenamtliche in Willkommensinitiativen einem Rechtsruck in der Gesellschaft entgegen wirken und täten dies auch. In ihrem Resümee empfahl Dr. Braun, die Arbeit der Ehrenamtlichen sichtbar zu machen und ihre Belange ernst zu nehmen. Sie sprach sich aber auch für eine Stärkung des Hauptamts aus, um das Ehrenamt zu entlasten.

Im anschließenden Podiumsgespräch berichteten einige Integrationslotsen sehr eindrucksvoll von ihrem Engagement. Darunter untern anderem die ökumenische Willkommensinitiative in Lengerich, die das Café international betreibt und ein an den Bedarf angepasstes Hilfesystem entwickelt hat. In Papenburg lernten die Zugewanderten in einer etwas anderen Stadtführung die Orte kennen, die zum Ankommen wichtig sind wie beispielsweise das Krankenhaus, die Migrationsberatung des Deutschen Roten Kreuzes, die Volkshochschule oder das Ärztehaus. In Emsbüren wurden die lokalen Netzwerke zwischen den Ehrenamtlichen und den örtlichen Betrieben und Behörden genutzt, um Geflüchtete in Berufspraktika, Arbeitsstellen und Ausbildung zu vermitteln.

Sozialdezernentin Dr. Sigrid Kraujuttis und Landrat Reinhard Winter (v. l.) gestalteten gemeinsam mit Integrationslotsinnen und Referentin Dr. Katherine Braun (2. v. r.) sowie Ulrike Otten (3. v. r.) und Hans-Jürgen Krieger (r.) von der Fachstelle Integration das Netzwerktreffen.  (Foto: Landkreis Emsland)
Sozialdezernentin Dr. Sigrid Kraujuttis und Landrat Reinhard Winter (v. l.) gestalteten gemeinsam mit Integrationslotsinnen und Referentin Dr. Katherine Braun (2. v. r.) sowie Ulrike Otten (3. v. r.) und Hans-Jürgen Krieger (r.) von der Fachstelle Integration das Netzwerktreffen. (Foto: Landkreis Emsland)

In den vier Arbeitsgruppen „Vom Sprint zum Marathon“, „Sport integriert“, „Integration in Arbeit“ und „Mach mal das Licht an – Transparenz in der Sprachförderlandschaft und aktives EhrenamtstandenInformation und Austausch im Vordergrund.

In ihrem Schlusswort zeigte sichSozialdezernentin Dr. Sigrid Kraujuttis sehr beeindruckt vom Engagement und derMotivation der Integrationslotsen. Das Gelingen der Integration vonZugewanderten sei auch eine Frage der Kultur und der Haltung einerGesellschaft. „Die Integrationslotsen sind mit ihrem Engagement Aushängeschilderfür die emsländische Gesellschaft“, sagte sie. Dem Wunsch vieler Teilnehmerentsprechend kündigte sie weitere Schulungen zu Integrationslotsen in 2019 an.Interessierte können sich bei der Fachstelle Integration beim Landkreis Emslandunter der Rufnummer 05931/441229 und der E-Mail-Adresse ulrike.otten@emsland.demelden.

Text und Foto: Landkreis Emsland