„Nach den Lockerungen noch wichtiger geworden“ – Das Containment-Team des Landkreises

Ein wenig ähnelt ihre Tätigkeit der Arbeit von Detektiven: nämlich wenn festgestellt werden muss, wer wann mit wem Kontakt hatte. Anders als die Privatermittler, die man vornehmlich aus Film und Fernsehen kennt, geschieht die Recherche hier allerdings per Telefon. Die Rede ist vom sogenannten Containment-Team des Landkreises. Seine Kernaufgabe: das Eindämmen weiterer Infektionen durch Covid 19-Erkrankte. Denn jeder identifizierte positive Fall hatte Umgang mit zahlreichen anderen Personen. Und diese Kontakte müssen möglichst lückenlos für 48 Stunden seit Einsetzen der Symptome nachvollzogen werden.

Aber beginnen wir von vorn. Am 4. März verzeichnete der Landkreis Grafschaft Bentheim seinen ersten Corona-Fall. In den folgenden Wochen zeigte sich die hohe Dynamik des Infektionsgeschehens. Nunmehr sind es über 200 Fälle. Für jeden Fall sind nicht nur dessen Kontakte zu ermitteln, sondern auch entsprechende Bescheide für eine häusliche Quarantäne zu erstellen und zu versenden. Anfangs konnte die damit verbundene Arbeit neben den Abstrichen für die Laboranalyse noch gut vom Team des Gesundheitsamtes bewältigt werden. Doch mit dem Anstieg der Fälle wurde Ende März ein spezielles Team von 14 Mitarbeitern aus der Kreisverwaltung gebildet: das Containment-Team.

Tag für Tag ist es nun dabei, Ersterkrankte zu identifizieren und deren Kontaktpersonen zu ermitteln. Die Daten über die Infizierten gehen dem Gesundheitsamt und dem Containment-Team über Eigenmeldungen, Laborergebnisse von Abstrichen, die das Gesundheitsamt vorgenommen oder Ärzte veranlasst haben.

„Infektionsketten müssen aufgedeckt und wo eben möglich unterbrochen werden“, erklärt Mareike Tälkers in kurzen Worten. In der telefonischen „Umgebungsuntersuchung“ werden die Kontaktpersonen in die Kategorien I und II unterteilt – und sie bekommen grundsätzliche Informationen zum Erkrankungsrisiko. Infizierte und Kontaktpersonen der Kategorie I erhalten vom Containment-Team einen Absonderungsbescheid für maximal 14 Tage ab Datum der Feststellung. Damit soll die weitere Verbreitung von Covid 19 verhindert werden.

Mareike Tälkers vom Containment-Team des Landkreises. (Foto: Landkreis)
Mareike Tälkers vom Containment-Team des Landkreises. (Foto: Landkreis)

Zugleich wird entschieden, ob eine Kontaktperson zum Test geladen wird. Das ist dann der Fall, wenn bestimmte Erkrankungssymptome auftreten. Personen, die der Kategorie II – das bedeutet: geringes Infektionsrisiko – zugeordnet werden, weil sie beispielsweise nur sehr kurz engeren Kontakt unter 15 Minuten mit einem Infizierten hatten, müssen erst einmal nicht in häusliche Quarantäne. Das würde sich jedoch dann ändern, wenn Krankheitssymptome auftreten.

Und so läuft es ab: ein Infizierter wird nach engen Kontakten befragt, darunter ist ein 40jähriger Arbeitskollege aus der Grafschaft. Dieser wird vom Containment-Team angerufen,  informiert und befragt. Es handelt sich bei ihm um eine Kontaktperson der Kategorie I, der sofort die Auflage erhält, sein Einfamilienhaus nicht mehr zu verlassen. Im Haus selbst galt es für ihn außerdem, sich von seiner Frau und den beiden Kindern, die noch nicht in die Kategorie I einzustufen waren, getrennt aufzuhalten. Die Küche musste er also allein nutzen, außerdem schlief er in einem Gästezimmer. Am 8. Tag der Quarantäne entwickelt der Mann Symptome und wurde am folgenden Tag im Gesundheitsamt „abgestrichen“. 24 Stunden später lag das Ergebnis vor: es war positiv. Nun wurden auch die Ehefrau und die beiden Kinder in die Kategorie I hochgestuft und in häusliche Quarantäne geschickt. Der Verlauf der Krankheit war beim 40jährigen milde, die vorbildliche vorherige Separierung der Familie führte dazu, dass sich Frau und Kinder nicht infiziert hatten. Somit nahm die Geschichte mit dem Ablauf der Quarantänezeit ein gutes Ende.

Die ohnehin verantwortungsvolle Aufgabe ist mit den vor einigen Tagen vorgenommenen Lockerungen der Auflagen noch anspruchsvoller und bedeutsamer geworden. „Die Gelegenheiten für Kontakte nehmen damit zu, damit möglicherweise auch die Gelegenheiten für die Übertragung von Covid 19“, betont Tälkers. „Wir müssen das Geschehen nicht nur weiterhin im Blick, sondern möglichst auch im Griff haben. Das klappt nur, wenn es uns gelingt, die Infektionsketten zu ermitteln und durch die Quarantäneanordnung zu unterbrechen. Wir tragen damit eine hohe Verantwortung.“

Diese hohe Verantwortung sollten aber auch die Bürger tragen, indem sie sich an die vorgegebenen Auflagen, insbesondere zur Kontaktreduzierung, halten. „Nur so kann das funktionieren“, erklärt Gitta Mäulen, Fachbereichsleiterin Gesundheit und Soziales. „ Wir müssen den Anstieg von Neuerkrankungen weiterhin verlangsamen, um die gesundheitliche Versorgung aller Menschen gewährleisten zu können. Wenn wir alle das gemeinsam gut hinbekommen, dann können wir in Notlagen auch über den Landkreis hinaus andere mit freien Versorgungskapazitäten unterstützen.“ Mäulen und andere Verantwortliche des Landkreises gehen davon aus, dass dieses Team mindestens bis Jahresende 2020, vermutlich aber darüber hinaus, bis zur Verfügbarkeit eines Impfstoffes im Einsatz sein wird.

Das Containment-Team ist telefonisch erreichbar unter 05921  / 96-6353, das Gesundheitsamt unter 05921 / 96-1850 oder per E-Mail: corona@grafschaft.de. Weitere Informationen zum Coronavirus erhalten sie unter www.grafschaft-bentheim.de.

Text und Foto: Landkreis Grafschaft Bentheim