Neues vom Horror – Tierschutzhof – die Bürokratie geht weiter

Emsland. Wie wir bereits berichtet haben, gibt es, bzw. jetzt gab es, einen Horror Tierschutzhof (hier unser ausführlicher Bericht —>hier klicken<—) im Emsland. Natürlich haben wir uns im Nachgang auch noch mit der anhaltenden, bürokratischen Situation, beschäftigt.

Neues vom Horror - Tierschutzhof - die Bürokratie geht weiter - Foto: NordNews.de
Neues vom Horror – Tierschutzhof – die Bürokratie geht weiter – Foto: NordNews.de

Mittlerweile sind alle 68 Hunde gut bei verschiedenen Tierheimen bundesweit angekommen. Viele sind, ersten Informationen nach, ernsthaft erkrankt. Räude, starke Unterernährung oder auch Verwurmungen sind nur einige der „harmloseren“ Dinge, unter denen die armen Tieren leiden müssen.

Der Verein „Mensch mit Tier – Wir helfen Dir e. V.“ ist als federführender Verein weiterhin Ansprechpartner für alle vermittelten bzw. aufgenommenen Hunde. Im Moment müssen die rechtlichen Dinge weiter geklärt werden. Alle Beteiligten hoffen, dass es zu keiner Zwangsversteigerung der Hunde kommt. Dieses könnte dann die Folge haben, dass der/die Betreiber/in des Tierschutzhofes oder auch über Strohmänner, die Hunde ersteigen könnte.

Landkreis Emsland nimmt Stellung

Viele fragen sich: „Wie kann sowas über Jahre unentdeckt bleiben?“ Oder auch „Darf so wer eigentlich in Zukunft Hunde halten oder schläft das Veterinäramt hier wieder einmal ?“. Diesbezüglich haben wir bei dem Landkreis Emsland nachgefragt. Eine Stellungnahme vom Veterinäramt haben wir nicht erhalten. Wir wurden an die Pressestelle des Landkreises verwiesen. Am 11. März um 13.15 Uhr bekamen wir folgende Antwort:

Neues vom Horror - Tierschutzhof - die Bürokratie geht weiter - Foto: NordNews.de
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Ein O-Ton ist durch terminliche Gründe leider nicht möglich. Unten stehend erhalten Sie unsere Stellungnahme zum Fall:

Seit Bestehen des „Hundeschutzhofes“ in Sustrum wurden der Betreiberin (u.a. von „Tierschützern“) regelmäßig tierschutzrechtliche Verstöße wie die unzureichende Haltung der Hunde bis hin zur Tierquälerei unterstellt. Eindeutige Beweise zum Belegen der Vorwürfe wurden hier beim Landkreis Emsland jedoch nie vorgelegt und wurden im Zuge amtlicher Kontrollen auch nicht festgestellt.

Der „Hundeschutzhof“ wurde in den vergangenen fünf Jahren drei Mal kontrolliert. Die letzte Überprüfung durch zwei Mitarbeiter des zuständigen Fachbereiches erfolgte im April 2019. Besondere Auffälligkeiten wurden nicht festgestellt. Lediglich die Zahl der vorgefundenen Hunde bewegte sich geringfügig oberhalb der Genehmigung. Zustände, wie sie jetzt im Zuge der Räumung offensichtlich wurden, waren in der Vergangenheit bei amtlichen Kontrollen nie festgestellt worden.

Dieser Umstand rührt vermutlich daher, dass die Betreiberin des Hundeschutzhofes in der jüngeren Vergangenheit offenbar gravierend mehr Hunde aufgenommen und gehalten hat, als genehmigt waren. Über die Gründe, die dazu geführt haben, dass infolge der gerichtlich angeordneten Räumung der Anlage eine Vernachlässigung der Tiere und offensichtliche Verschmutzung der Anlage stattgefunden haben, lässt sich nur spekulieren.

Der Landkreis Emsland hat ein Anhörungsverfahren hinsichtlich des Entzugs der § 11 Genehmigung (Erlaubnis zur gewerbsmäßigen Tierbetreuung) eingeleitet, zum anderen ist ein Verbot der Hundehaltung in Prüfung. Nach einem rechtskräftigen Entzug der § 11 Genehmigung wäre es der betroffenen Person künftig nicht mehr möglich, eine gewerbliche Hundehaltung zu betreiben.

Die Hunde wurden durch die Vermittlung verschiedener Tierschutzorganisationen in Pflegestellen untergebracht. In Folge ist davon auszugehen, dass die Tiere aktuell gut versorgt sind.

Anja Rohde, Pressestelle des Landkreis Emsland

Entsetzen über schlafende Ämter

Neues vom Horror - Tierschutzhof - die Bürokratie geht weiter - Foto: NordNews.de
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„Wir sind entsetzt“, erzählt uns Nina Penné, zweite Vorsitzende des Vereines „Mensch mit Tier – Wir helfen Dir e. V.“. „Drei Kontrollen in den letzten Jahren. Nun soll erst ein Anhörungsverfahren eingeleitet werden? Bei der Begehung sagte uns der zuständige und anwesende Veterinär vor Ort zu, dass der §11 Tierschutzgesetz noch vor Ort entzogen werden würde. Mehr Bürokratie geht ja wohl gar nicht!“, äußert sie sich weiter. (Ein Verwaltungsverfahren zum Widerruf des §11 Tierschutzgesetz wurde eingeleitet. Anm. der Redaktion).

68 Hunde konnten, dank der Hilfe des Vereines, in bessere Hände übergeben werden. „Hätte es diesen Verein nicht gegeben, der Tag und Nacht geopfert hat, würde es viele dieser Hunde nicht mehr geben“, hört man von den Tierheimen, die die Hunde aufgenommen haben. „Zudem gilt ein herzlicher Dank auch den ganzen Helfern, die Tag und Nacht zur Verfügung gestanden haben. „Selbst Nachtdienste mussten abgedeckt werden, da nicht ausgeschlossen werden konnte, dass sich fremde Menschen nachts Zutritt zum Hof verschaffen würden.“ „, erläutert Nina Penné. Hervorheben möchte der Verein auch die hervorragende und konstruktive Zusammenarbeit der Tierhilfe Wolfsburg e. V. und dem Verein „Chance zum Leben e. V.“

Neues vom Horror - Tierschutzhof - die Bürokratie geht weiter - Foto: NordNews.de
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Doch was passiert nun als Nächstes? „Zusammen mit Anwälten und der Tierhilfe Wolfsburg e. V sowie dem Verein Chance zum Leben e. V. werden wir nun alles menschenmögliche versuchen um diesen Wahnsinn zu stoppen und der Hofbetreiberin das Handwerk zulegen!“ , berichtet Tanja Wohkittel, die erste Vorsitzende des Vereines, “ „Wir tun alles, damit die Hunde nicht zurück in diese Hölle müssen. Die Hunde haben es nun gut und das soll auch so bleiben!“

Wir veröffentlichen heute weitere Bilder und die ersten Videos vom Horror Tierschutzhof. Wir wissen, dass es sich um Aufnahmen handelt, die teilweise schwer zu ertragen sind.

Wir haben nun auch eine Mailadresse eingerichtet. Fragen, Anregungen und auch weitere Befunde der Hunde sind zu richten an

Tierschutz@NordNews.de

Der Verein „Mensch mit Tier – Wir helfen Dir e. V.“ bleibt natürlich weiterhin am Ball. Wir werden auch berichten und hoffen, dass evtl. Entscheidungen der Behörden auch öffentlich gemacht werden. Wir sind gespannt.

Hinweis: Das Video zeigt einige Situationen, wie es auf dem Hof ausgesehen hat. Hervorzuheben ist, dass bereits einige Säuberungsarbeiten zum schnellen Schutz der Hunde vor dem Videodreh stattgefunden haben. Dieses Video ist nicht für Kinder gedacht