Breit aufgestellt gegen den Eichenprozessionsspinner

Haren (Ems). Die Stadt Haren (Ems) setzt auf unterschiedliche Maßnahmen zur Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners. Der Eichenprozessionsspinner ist ein heimischer Nachtfalter, der sich, begünstigt durch veränderte Klimabedingungen, deutlich vermehrt hat. Seine Eier legt er bevorzugt auf das obere Geäst freistehender Eichen ab. Anfang April, zeitgleich mit dem Austrieb der Eichen, schlüpfen die Raupen. Tagsüber hausen die Raupen in den selbstgesponnenen Nestern am Baumstamm. Erst nachts wandern sie wie in einer Prozession Richtung Baumkrone, wo sie die Triebe bzw. Blätter der Eichen kahlfressen.

Erst mit Beginn des dritten von insgesamt sechs Larvenstadien entwickeln die Raupen ihre Brennhaare, die ein sog. Nesselgift enthalten und für die Haut- und Körperreizungen verantwortlich sind. Nach der Verpuppung der Raupen verbleiben diese Haare teilweise noch Jahre in den Gespinstnestern und werden nach und nach an ihre Umwelt freigegeben. Das enthaltene Gift kann auch nach mehreren Jahren noch Schäden auslösen.

„In diesem Jahr werden wir den Eichenprozessionsspinner mit ganz unterschiedlichen Maßnahmen versuchen einzudämmen“, berichtet Hermann Hüsers, Leiter des städtischen Werkhofes. 185 Nistkästen wurden an städtischen Straßen mit Eichenbestand aufgehängt. Weitere wurden entlang der Kanäle vom NLWKN angebracht sowie von Privatpersonen im Stadtgebiet und von Vereinen, wie dem Sportanglerverein Haren. Die Nistkästen wurden nach Anleitung des NABUs gebaut und sollen vor allem Meisen beheimaten. Meisen fressen die geschlüpften Raupen, bevor sie ihre gefährlichen Brennhaare entwickeln. Zum anderen sollen sich ebenfalls Fledermäuse in der Nähe von Eichen niederlassen. Diese fliegen nachts und haben den Nachtfalter auf ihrer Speisekarte stehen. Fledermäuse verhindern somit, dass es überhaupt erst zu einer Eiablage kommt. Im Herbst sollen alle 185 Nistkästen der Stadt Haren (Ems) gereinigt und dahingehend kontrolliert werden, ob ein Vogel „eingezogen“ war.

Doch nur auf die natürlichen Gegenspieler möchte auch die Stadt Haren (Ems) sich nicht verlassen, daher wird auch das Biozid „Foray ES“ zum Einsatz kommen. Der Wirkstoff in diesem Biozid, die Bt-Toxine, werden von den Bakterien Bacillus thuringiensis gewonnen. Sie wirken hauptsächlich gegen Schmetterlingsraupen und sind für Wirbeltiere ungefährlich. Zudem ist das Biozid vollkommen biologisch abbaubar.

Bei der Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners mit einem Biozid steht vor allem der Schutz der Bevölkerung im Vordergrund. Bei der Auswahl, welche städtischen Eichen mit dem Biozid behandelt werden sollen, wurde die landkreisweite Einteilung in Gefahrenkategorien genutzt. Dabei ist das Gefahrenpotenzial in den Kategorien drei und vier für den Menschen am höchsten und die Bekämpfung hat dort oberste Priorität. Unter diese Kategorie fallen Orte mit einem hohen Menschenaufkommen z.B. Kindergärten, Schulen, Kinderspielplätze, Märkte und Straßen und Wege mit einem hohen Aufkommen von Fußgängern und Radfahrern.

Die Bekämpfung des EPS mit dem Biozid erfolgt auf zwei verschiedene Arten: zum einen anhand einer Sprühkanone von unten und zum anderen das Ausbringen des Mittels auf den Triebspitzen anhand eines handgeführten Pumpsprühsystems. Da die Raupen zu diesem Entwicklungsstadium in den Triebspitzen leben, geht die Stadt Haren (Ems) davon aus, dass die zweite Variante effektivere Ergebnisse liefern wird. „Wir werden in diesem Jahr trotzdem beides ausprobieren. Wir haben alle Maßnahmen genau in unserer Karte dokumentiert. Wir werden den Erfolg daran festmachen, wo wir später noch Nester der Spinner absaugen müssen“, so der Werkhofs-Leiter abschließend. Das Unternehmen BT BaumTechnik aus Emlichheim übernimmt den Biozid Einsatz für den Harener Werkhof in diesem Jahr.

Bürgerinnen und Bürger, die einen Befall einer städtischen Eiche mit dem Eichenprozessionsspinner melden möchten, können sich direkt an den städtischen Werkhof unter der Tel. 05932 – 72 66 0 wenden. Für eine Beseitigung auf einem privaten Grundstück müssten allerdings die Grundstückseigentümer selber sorgen.

Weitere Informationen gibt es auf der Webseite des Landkreises Emsland:

https://www.emsland.de/leben-freizeit/gesundheit/zecken-und-eichenprozessionsspinner/eichenprozessionsspinner-2.html

Eine Anleitung für einen selbstgebauten Meisen-Nistkasten gibt es auf der Internetseite des NABU:

https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/voegel/helfen/nistkaesten/

Text und Foto: Stadt Haren