Hood Blaq stürmen das Sony Music Gebäude

Zwölf Augen die aus den Masken funkeln, sechs vermummte Gesichter, ein Drill Beat der sich sofort durch die Gehörgänge bohrt. Und dann, spätestens wenn der erste Part droppt, eine Kraft und Energie, die alles aus dem Weg räumt, was sich ihr entgegenstellt. Das ist knapp zusammengefasst das Konzept hinter Hood Blaq. Wer es in den letzten Monaten geschafft hat die Crew aus Rheinland-Pfalz zu ignorieren, der lebt offenbar auf einem anderen Planeten. Mit ihrer Hashtag-Reihe #1 bis #10 haben sie auf Instagram in kürzester Zeit für Furore gesorgt, ihren eigenen Stil im deutschen Rap etabliert und sich den Respekt von diversen Szene-Größen erarbeitet.

Wer sich die brachial und rough daher kommenden Tracks und Clips anschaut der merkt schnell:

Die meinen es ernst!

Wer Hood Blaq genau sind, wie viele vor allem und wo sie her kommen, all das konnte man bisher meist nur erahnen oder sich zusammen puzzlen. Denn bis zum heutigen Tag verhielten sich die Rapper aus dem Raum Ludwigshafen und Umgebung eher schweigsam, wenn es um Interviewanfragen, Promo oder Persönliches ging. „Bullen stellen Fragen, ich bin leise wie Tesla“ rappen sie dann auch folgerichtig in einem ihrer zehn kurzen Insta-Amateurvideos, in denen sich die Crew – wie immer maskiert – vor die Kamera und das Mikro gestellt hat, um kompromisslosen Straßenrap mit UK-Drill-Einschlag auf ein neues Level zu heben.

Ab dem 11.2. wird sich diesbezüglich so einiges ändern. Nicht nur, dass Hood Blaq ihre gesammelten Songs endlich auch als gemastertes Paket auf den allseits bekannten Streaming Diensten veröffentlichen und dazu den finalen 10. Teil ihrer Hashtag-Reihe mitliefern, endlich lüftet sich auch ein wenig der Nebel, der die Rapper ganz London-typisch bisher umhüllte. Und so wird nun erstmals klar, wer da überhaupt angetreten ist, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Denn aus der ursprünglich aus bis zu zehn Mitgliedern bestehenden Crew haben sich nun sechs Künstler herauskristallisiert, die den Weg durch die Institutionen der Musikindustrie zusammen bis zum bitteren oder eben grandiosen Ende miteinander gehen wollen: Mali, Veysel, Safraoui, Moussa, Alim und Jamal. Dass ihre Vorfahren wahlweise aus Somalia, Jamaika, Marokko, Kamerun und Togo kommen, ist nur ein logischer Spiegel ihrer deutschen Herkunft: Ludwigshafen-Hemshof.

Das migrantisch geprägte Viertel steht für eine Vielzahl von Sprachen, Einflüssen und Individuen. Und so ist es es auch kein Wunder, dass sich hier eine Gruppe von Freunden zusammen getan hat und unterschiedliche Dialekte, Szene-Codes und Realitäten in ihrer Musik vereint. Und wo ein Schmelztiegel ist, da ist immer auch ein eisenhartes Produkt am Ende des Tages. Produziert von Shokii, ist hier somit eine New Wave entstanden, die eine ganz neue Ecke und einen eigenen Style auf die Karte von Deutschrap setzen will – und wird.

Vorhang auf!

Text und Foto: Sony Music