Goldbrakteat aus Neuenhaus – ein archäologischer Goldfund – erste Informationen

Neuenhaus. Wie bereits schon mehrfach „erzählt“ wurde, gab es in Neuenhaus einen archäologischen Goldfund. Jetzt stehen uns erste Informationen und auch Bilder zur Verfügung: :

Gegenstand

Dünne Goldscheibe, genauer Pressblechscheibe aus dem frühen Mittelalter mit zwei Zierzonen. Durchmesser 49 mm. Die Scheibe besteht zu rund 80 % aus Gold und zu 17 % aus Silber. Rund ein Viertel der Scheibe ist abgerissen. Bei der Auffindung war sie leicht zusammengefaltet.

Die innere Zierzone besteht aus eingepressten, gebogenen und verschlungenen Linien, die mit Perldrähten besetzt sind. Die äußere, kreisförmige ist durch aufgelegtes, extrem feines Flechtwerk aus Golddrähten gekennzeichnet, dass in acht Bändern den Rand umkreist.

Fundort

Landkreis Grafschaft Bentheim, Neuenhaus, Ortsteil Veldhausen, Maisacker westlich der Umgehungsstraße um Neuenhaus (Nord-West-Ring).

Fundumstände und weiteres Vorgehen

Ehrenamtliche Naturschutzmaßnahme am 8. Mai 2020, Markieren von Kiebitznestern durch den Finder im Acker, damit sie nicht bei der Bewirtschaftung zerstört werden, Zufallsfund. Der Finder meldete den Fund einer Grabungsfirma, die in der Nähe tätig war. Diese informierten den ehrenamtlichen Beauftragten für die Denkmalpflege und dieser wiederum die untere Denkmalschutzbehörde des Landkreises und das Landesamt für Denkmalpflege. Im Februar 2021 erfolgte – coronabedingt vergleichsweise spät – eine Untersuchung des Fundortes mit Metalldetektoren und per Bohrsondage. Dabei wurden keine weiteren Funde gemacht.

Einordnung

Der Fund gehört zu den Goldbrakteaten des frühen Mittelalters. Diese kommen vor allem im 5. und 6. Jahrhundert n. Chr. vor und gelten als Zeichen der Repräsentation frühmittelalterlicher Eliten. Sie sind im südlichen Skandinavien, Norddeutschland, England und den Niederlanden verbreitet, vereinzelt auch in Polen und Frankreich. Ihre Zahl in Deutschland ist sehr überschaubar und dürft nicht über 30 betragen.

Bedeutung

Der Fund aus Neuenhaus weist mit der Flechtdrahtzone am Rand eine ungewöhnliche und besonders aufwändige Form der Verzierung auf. Sie entspricht bester Goldschmiedekunst des frühen Mittelalters. Vergleichsfunde deuten darauf hin, dass es sich um einen eher späten Goldbrakteat aus dem späteren 6. oder der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts handelt. Für Niedersachsen ist er einer der ganz wenigen Goldfunde aus dem späten6./7. Jahrhundert. Die herausragende Goldschmiedearbeit deutet zudem darauf hin, dass es sich um ein Objekt handelt, das Personen aus der Spitze der Gesellschaft gehörte, und von ihnen zur Darstellung des eigenen Status genutzt wurde. Die vermutlich absichtliche Beschädigung und das Zusammenfalten des Stückes lassen sich als gezielte, symbolische Zerstörung deuten.

Der Fundort ist nicht der ursprünglich Ablageort. Wie die Untersuchungen des NLD ergaben ist der Oberboden am Fundort verlagert. Es gibt Hinweise darauf, dass er ursprünglich aus dem Bereich eines nahegelegene (ca. 500 m) Regenwasserrückhaltebeckens stammt, die kann jedoch nicht mehr mit Sicherheit belegt werden. In der näheren Umgebung des Fundorte gibt es eine große Anzahl bedeutender Bodendenkmale aus verschiedenen Epochen, darunter den monumentalen Grabhügel „Seben Pölle“

Verbleib und weiteres Vorgehen:

Das NLD hat aufgrund der landesweiten wissenschaftlichen Bedeutung des Fundes festgestellt, dass für ihn das Schatzregal anzuwenden ist, der Fund also Eigentum des Landes ist. Der Finder hat eine Belohnung erhalten. Es ist geplant, den Brakteaten in einem Aufsatz in einer Fachzeitschrift vorzustellen. Diese würde im kommenden Jahr erscheinen.

Text: Landkreis Grafschaft Bentheim

Fotos: Julian Schierenbeck vom NLD