Bedeutender archäologischer Goldfund aus Neuenhaus der Öffentlichkeit präsentiert

Keine 5 cm im Durchmesser groß ist das Stück, das wie eine Münze aussieht. Ein Viertel ist abgerissen. Dennoch gut zu erkennen sind aber die Verzierungen in Form von gebogenen und verschlungenen Linien. Gut zu erkennen auch: die kleine Scheibe besteht im Wesentlichen aus Gold. Gefunden wurde dieser Gegenstand im Mai 2020 auf einem Maisacker im Neuenhauser Ortsteil Hilten. Die Einordnung durch die Wissenschaft besagt, dass es sich um einen sogenannten Goldbrakteat aus dem späten 6. oder frühen 7. Jahrhundert handelt. Am Mittwoch nun wurde der außergewöhnliche, durchaus spektakulär zu nennende Fund, im Historischen Rathaus von Neuenhaus der Öffentlichkeit vorgestellt.

Wie bedeutsam dieser Fund einzuordnen ist, belegte nicht nur, dass Niedersachsens Wissenschaftsminister Björn Thümler eigens aus Hannover angereist war. Dr. Jana Esther Fries, Bezirksarchäologin des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege (NLD), betonte in ihren Erläuterungen zum Fundstück dessen landesweite wissenschaftliche Bedeutung. Es handelt sich um einen der sehr wenigen Goldfunde aus jener Zeit in Niedersachsen. Goldbrakteaten wie dieser gelten als repräsentative Statussymbole frühmittelalterlicher Eliten. Der Neuenhauser Fund weist eine ebenso ungewöhnliche wie aufwändige Form der Verzierung auf, und damit auf einen fähigen Feinschmied. Dieser verarbeitete für die Zierscheibe etwa 80 Prozent Gold und 17  Prozent Silber.

Der sensationelle Fund ist zwei glücklichen Umständen zu verdanken, auf die Landrat Uwe Fietzek in seiner kurzen Ansprache hinwies. Es handelte sich nicht etwa um eine gezielte archäologische Grabung oder eine Erkundung mit Metalldetektoren, sondern um einen zufälligen Fund. Peter Diesner war ehrenamtlich mit dem Markieren von Kiebitznestern beschäftigt, als er auf einem Maisacker in Hilten auf das ungewöhnliche Stück stieß. Der Finder reagierte geistesgegenwärtig und besonnen, indem er die Fachleute informierte. Die darauf einsetzende Meldekette führte über den ehrenamtlichen Beauftragten für Denkmalpflege und über die Untere Denkmalschutzbehörde des Landkreises schließlich hin zum Landesamt für Denkmalpflege.

Am Fundort: Landrat Uwe Fietzek, Bezirksarchäologin Dr. Jana Fries und Finder Peter Diesner. (Foto: Landkreis).
Am Fundort: Landrat Uwe Fietzek, Bezirksarchäologin Dr. Jana Fries und Finder Peter Diesner. (Foto: Landkreis).

Auf diese Weise konnte ein etwa 1.400 Jahre altes einzigartiges Artefakt für die Nachwelt gesichert werden. Der Fund gehört zu den Goldbrakteaten des frühen Mittelalters. Diese kommen vor allem im 5. und 6. Jahrhundert n. Chr. vor. Sie sind im südlichen Skandinavien, Norddeutschland, England und den Niederlanden verbreitet, vereinzelt auch in Polen und Frankreich. Ihre Zahl in Deutschland ist sehr überschaubar und dürfte nicht über 30 betragen, wie die Bezirksarchäologin Dr. Jana Esther Fries (NLD) erläuterte. Der Fundort ist allerdings nicht der ursprünglich Ablageort. Wie Untersuchungen des NLD ergaben, ist der Oberboden am Fundort verlagert. Es gibt Hinweise, dass er ursprünglich aus dem Bereich eines nahegelegene (ca. 500 m) Regenwasserrückhaltebeckens stammt, dieses kann jedoch nicht mehr mit Sicherheit belegt werden. Wegen der hohen Bedeutung des Fundes hat das Land Niedersachsen das Schatzregal angewandt, wodurch das Stück Eigentum des Landes geworden ist.

Landrat Uwe Fietzek betonte, dass der Landkreis das Originalstück aber gern übergangsweise interessierten Bürgerinnen und Bürgern zeigen wolle, bevor es dauerhaft an das Landesmuseum in Oldenburg gehe. Derzeit liefen Abstimmungen, den Fund auf der Burg in Bad Bentheim zu präsentieren. Dort befände sich bereits der wesentlich ältere goldene Becher von Gölenkamp aus der Bronzezeit. Es sei reizvoll, die beiden bedeutendsten Goldfunde der Grafschaft gemeinsam nebeneinander zu zeigen.

Text Landkreis Grafschaft Bentheim